Frank Richter vermittelte am 8. Oktober 1989 auf der Prager Straße zwischen Demonstranten und Polizeikräften. Auslöser der Demonstrationen waren die Züge mit Flüchtlingen aus der Prager Botschaft auf dem Weg in den Westen. Heute ist Frank Richter Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung:

Herr Richter, wie haben Sie den Dresdner Hauptbahnhof Anfang Oktober 1989 erlebt?
Die politischen Ereignisse entwickelten sich damals im Schnellzugtempo. Zunächst war der Hauptbahnhof ein Ort der Gewalt. Mehrere Dinge kamen dabei zusammen: Die Züge mit den Botschaftsflüchtlingen aus Prag auf ihrem Weg in den Westen mussten durch Dresden. Diese Züge trafen im Hauptbahnhof auf Menschen, die entweder noch nach Prag wollten oder versuchten, auf diese Züge aufzuspringen. In dieser verzweifelten Situation flogen Steine. Polizisten wurden verletzt. Es gab zahlreiche Verhaftungen. Die Medien der DDR berichteten nicht über die Ereignisse, also mussten die Menschen in den Tagen nach dem 4. Oktober selbst nachschauen. Dabei entdeckten sie, dass sie viele sind, viele Neugierige, viele Wütende und viele Oppositionelle.

Wie kam es zu dem Gespräch mit der Polizei, das zu einer gewaltfreien Einigung beitrug?
Durch die Ereignisse vom 3. bis 7. Oktober am Dresdner Hauptbahnhof war beiden Seiten klar, dass sich etwas ändern muss. Am 8. Oktober befand ich mich selbst in einem Demonstrationszug, der von der Polizei eingekesselt wurde. Zusammen mit einem Freund ging ich auf die Polizisten zu und forderte sie zum Gespräch auf. Wir trafen auf einen Polizisten, der ebenso »weit« war wie wir. Er war inspiriert von der Gewaltlosigkeit der Demonstranten und willigte in unser Gesprächsangebot ein. Die Rufe »Keine Gewalt« hatten über den Polizeifunk die Runde gemacht und Wirkung erzielt. In diesen Tagen lernte also auch die »andere Seite«.

Was bedeutet »Dialog« für die Demokratie heute?
»Dialog« ist ein großes Wort. Eine Gesellschaft ist in ihrem Meinungsbildungsprozess auf Austausch angewiesen. Eine offene Gesellschaft braucht eine offene Kommunikation.

Gut zu wissen

Dresden Hauptbahnhof, Wiener Platz 4, 01069 Dresden. Rund um das Bahnhofsgebäude und in seinem Inneren gibt es verschiedene Gedenktafeln und Informationsbereiche die an historische Ereignisse im 2. Weltkrieg und danach erinnern. Tipp zum Nachlesen: Broschüre »Und überall kocht und brodelt es …« (BStU, 2014).

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Dialog statt Gewalt – der Dresdner Hauptbahnhof 1989 51.040422, 13.731537 Hauptbahnhof, 01069 Dresden (Routenplaner)

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