Ein paar Multiplexe und für die Kulturinteressierten ein Programmkino? Nein, die Kultur des Filmschauens unterscheidet sich in Dresden von anderen Städten. Für mich als regelmäßigen Kinogänger ist das wundervoll, denn die Stadt ist von unabhängigen Filmtheatern geprägt und hat dazu noch eine spannende Kinogeschichte.

In den 1920er Jahren war Dresden die »Welthauptstadt« der Kinotechnik. Hier wurden der Tonfilm entwickelt und die ersten großen professionellen Vorführmaschinen gebaut. Zumindest die Klangtechnik gelangte auch nach Hollywood. Dresden war (neben Berlin) schnell Kino-Vorreiter. Ab 1906 gab es Ladenkinos, die von immer größeren umgebauten Ballsälen oder Varieté-Theatern abgelöst wurden. 1927 eröffnete mit der Schauburg das erste Filmtheater, welches extra als solches erbaut wurde und bis heute geöffnet ist.

Auch heute ist die Leinwanddichte in Dresden im Vergleich zu anderen Orten immer noch sehr hoch. Denn die Dresdner waren und sind fleißige Kinogänger. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Stadt fernsehtechnisch bis 1989 im »Tal der Ahnungslosen« befand. 1956 wurde beispielsweise im Dresdner Hauptbahnhof in einem Anbau, der vorher exklusiv den höheren Herrschaften als Empfangshalle diente, ein Kino eröffnet. Reisende konnten sich hier Wochenschauberichte und auch Filme anschauen. Wie fast alle alten Kinos zu DDR-Zeiten verfiel auch dieses bei laufendem Betrieb und wurde im Jahr 2000 geschlossen.

Es gab aber auch sozialistische Kino-Neubauten. Ein Beispiel der Nachkriegsmoderne ist das 1972 eröffnete Rundkino (denn es ist zylinderförmig). Es hat die größte Leinwand in Sachsen und wird heute bisweilen als Hörsaal der nahen Universität genutzt. Abends werden hier Blockbuster gezeigt, wie auch nebenan im Multiplex Kristallpalast, einem »architektonischen Glaswunder« aus den 1990er Jahren mit acht Kinosälen.

In den Nachwendejahren wurden zunächst Multiplexkinos mit insgesamt 6.000 Sitzplätzen gebaut. Elbfluten und Standortfragen führten schnell zu Schließungen, aber auch zu einer branchenuntypischen Übernahme eines Großkinos durch den Betreiber eines unabhängigen Filmtheaters. Dieses »Metropolis« genannte Projekt schlug zwar fehl, trotzdem habe ich heute immer noch die Wahl zwischen Riesenleinwänden, den Filmnächten am Elbufer und den guten alten Programmkinos.

Gut zu wissen

Kinotipp: Die Schauburg, Königsbrücker Straße 55, 01099 Dresden, www.schauburg-dresden.de. Das Kino hat schon etwas Patina angesetzt und ist das Hauskino der Neustadt-Bewohner. Im Sommer versüßt die im Haus befindliche Eisdiele die Wartezeit. Anreise: Haltestelle Bischofsweg, Straßenbahn (Linien 7, 8 und 13).

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Filmstadt Dresden? 51.071201, 13.750076 Königsbrücker Straße 55, Dresden, Deutschland (Routenplaner)

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