Berichte über historische Gebäude in Dresden beinhalten meist den 13. Februar 1945 als Tag ihrer Zerstörung. An diesem Tag erfolgte ein Bombenangriff auf die bis dahin von Luftangriffen verschonte Stadt. Für mich war in diesem Zusammenhang immer die Geschichte der Lukaskirche in der Dresdner Südvorstadt etwas Besonderes.

Wie so viele Gebäude ging auch diese Kirche in der Bombennacht in Flammen auf. Der 83 Meter hohe Turm des zur Jahrhundertwende errichteten Neorenaissance-Baus stürzte ein und ist bis heute nicht wieder aufgebaut. Das Kirchenschiff war schwer getroffen, aber nicht vollkommen zerstört. Übrig blieben die Außenmauern, ein teilweise ausgebrannter Innenraum, das kaputte Dach und ein Fakt, welcher den Fortbestand der Gemeinde und ihrer Kirche nachhaltig beeinflusste: Die ausgezeichnete Akustik. Nach dem Krieg wurde die Kirche notdürftig instand gesetzt, aber neun Jahre später musste die Gemeinde abermals ausziehen, da die Bauschäden eine normale Nutzung kaum noch zuließen. Bei Umbauarbeiten wurden unter anderem die Seitenschiffe abgetrennt. Im April 1972 wurde die Kirche erneut geweiht und es begann die jetzt offizielle Zweitnutzung des Gotteshauses als Tonstudio für Musikproduktionen.

Die Lukaskirche ist eine von nur drei Kirchen in Deutschland, die aufgrund ihrer hervorragenden Akustik für Musikaufnahmen genutzt werden. 1957 fanden die ersten Aufnahmen für die Schallplattenproduktion von »Der Rosenkavalier« von Richard Strauss statt. In den folgenden Jahrzehnten nutzte der DDR-Betrieb VEB Deutsche Schallplatten die Kirche für Orchester-Proben sowie Aufnahmen von Kirchen-, Chor- und Orchestermusik, darunter den gesamten Wagner-Ring und fast alle Beethoven- und Brucknersinfonien. Die Zahlungen dieses Untermieters ermöglichten es der Gemeinde, die Kirche nach und nach instandzusetzen.

Hier dirigierten Herbert von Karajan oder Karl Böhm, es spielten und spielen die Dresdner Staatskapelle und die Dresdner Philharmoniker und es sangen weltbekannte Tenöre wie Theo Adam oder Peter Schreier. Und daher kenne ich auch den Ort. Auf den Hüllen der Schallplatten meines Vaters war in vielen Fällen die Lukaskirche in Dresden als Aufnahmeort genannt. Sie wird bis heute als Aufnahmeraum für Musikproduktionen sowie als Veranstaltungsort für klassische Instrumental- oder Chormusik genutzt. Für mich sind die ebenfalls stattfindenden Jazz- oder Popkonzerte wegen dieser besonderen Akustik ein Erlebnis.

Gut zu wissen

Lukaskirche, Lukasplatz 1, 01069 Dresden, www.lukaskirche-dresden.de. Konzerte und Gottesdienste finden regelmäßig statt. Anreise: Haltestelle Reichenbachstraße, Straßenbahn (Linien 3, 8).

Karte wird geladen - bitte warten...

Lukaskirche – Record, Stop, Gott 51.031652, 13.734155 Lukasplatz, 01069 Dresden (Routenplaner)

Pin It on Pinterest

Share This