Interview mit Linda von Keyserlingk, Kuratorin im Militärhistorischen Museum (MHM), Dresden.

Der Name »Militärhistorisches Museum« könnte abschreckend wirken. Wo liegt der Fokus der Aus­stellungen?
Im Museum verfolgen wir eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Militärgeschichte vom Mittelalter bis heute. Es geht um grundsätzliche Fragen im Umgang mit Gewalt und wie an Kriege erinnert wird. Das Museum ist keine Schausammlung von Kriegsgerät, Uniformen und Abzeichen, es stellt vielmehr den Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtung. Militärgeschichte soll hier mal ganz anders darstellt werden. Wir bürsten Militärgeschichte sozusagen gegen den Strich. Deutlich wird dies bereits durch den Neubau des Architekten Daniel Libeskind. Je nachdem, wie das Licht durch den Stahlkeil fällt, sind Licht und Schatten anders verteilt — ein schönes Bild für unseren Ansatz: Licht und Schatten in der Militärgeschichte zu beleuchten.

Lässt sich deutsche Militärgeschichte überhaupt »isoliert« betrachten? Werden aktuelle Konflikte und Brandherde des 21. Jahrhunderts thematisiert?
Wir beleuchten in den Ausstellungen besondere Aspekte von Kriegen, beispielsweise Konflikte in der Gesellschaft, die durch Auslands­einsätze der Bundeswehr entstehen, oder Konflikte, die durch den Klimawandel oder den Terrorismus entstehen. Wir versuchen dabei auch, Entwicklungslinien aufzuzeigen, wie sich die Kriegsformen während der Jahrhunderte verändert haben.

Was nehmen sich Besucher des MHM Dresden mit nach Hause?
Es geht darum, Fragen zu stellen und vermeintlich bewährte Antworten und Interpretationsmuster aufzubrechen. Anhand der Darstellung konkreter Zusammenhänge und Situationen hoffen wir, dass die Besucherinnen und Besucher letztendlich auch einen neuen Blick auf die Geschichte mit nach Hause nehmen. Das hängt aber davon ab, inwieweit sie sich auf neue Perspektiven einlassen. Wir wollen vermitteln, dass es keine einfachen und vorgefertigten Antworten gibt.

Das MHM und die Bundeswehr. Kommt es da auch zu Interessenkollisionen?
Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee und damit ein Teil der Gesellschaft. Sie muss in Kontakt mit der Gesellschaft stehen. Entsprechend versteht sich das Museum als freies Forum für Meinungsaustausch, in dem man keine vorgefertigten Antworten bekommt, sondern Fragen diskutiert, die die Gesellschaft beschäftigen.

Gut zu wissen

Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Olbrichtplatz 2, 01099 Dresden, www.mhmbw.de. Öffnungszeiten: Do. – Di. 10 bis 18 Uhr, Mo. 10 bis 21 Uhr, Mi. geschlossen. Eintritt: 5€, ermäßigt 3€, Mo. ab 18 Uhr frei. Anreise: Haltestelle Stauffenbergallee, Straßenbahn (Linien 7, 8) bzw. Bus (Linie 64).

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Militärhistorisches Museum der Bundeswehr 51.077075, 13.758929

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