Unscheinbar ist auf der grauen Schranktür eine Nase abgebildet. Ich öffne die Tür und sehe eine Ampulle mit einem Knopf. Ich drücke die silberfarbene Taste und ein barbarischer Gestank strömt mir entgegen. Sofort springe ich zurück und schließe die Tür. Mir ist übel.

Diese Geruchsprobe ist eine Nachbildung der üblichen Gerüche im Schützengraben des 1. Weltkriegs. Es ist ein Ausstellungsstück im Militärhistorischen Museum Dresden. Ich staune jedes Mal, wie hier Militärgeschichte präsentiert wird. Eigentlich ist es ein Friedensmuseum. Schon das ungewöhnliche Äußere des Gebäudes macht neugierig. Ein riesiger Keil aus Aluminium zerschneidet ein klassizistisches Gebäude wie ein Granatsplitter und zerstört die Ebenmäßigkeit der Fassade. Darf man so etwas tun mit alten Gebäuden? Die Spitze überragt den Bau um fast zwei Stockwerke. Der Architekt Daniel Libeskind hat dieses Objekt geschaffen. Jedes Mal, wenn ich unter diesem Keil stehe, bin ich beeindruckt. Dieses Objekt zeichnet ein großes V in den Himmel.

Im Inneren ist diese Spitze eine Plattform. Die Aussicht auf Dresden ist grandios. Durch die Lamellen sieht man einen bestimmten Ausschnitt der Stadt. Die Spitze zeigt auf den Markierungspunkt, wo die Bombardierung von Dresden am 13. Februar 1945 begann. Langsam wird mir bewusst, was 40 Grad Formationsradius von Bombergeschwadern bedeuten. Es ist genau die Linie des Keils. Dieses unerhörte »Zerstören« setzt sich im Inneren des Gebäudes fort. Hier findet sich keine Aneinanderreihung verschiedener Kriege oder ein Waffenarsenal. Die Ausstellung wirkt zuerst etwas chaotisch. Man muss seinen Weg selbst finden. Schon bei der Videoinstallation im Eingangsbereich wird der Besucher ein Teil der Ausstellung. Ein Mensch, der im ständigen Wechsel zwischen Liebe und Hass pendelt.

Die Etagen sind nach Themen gegliedert. Ein riesiger Elefant führt eine Parade von Tieren im Krieg an. Die Designerin Vivien Westwood spendete eine Haute-Couture-Kollektion für das Thema Mode. Im Bereich Spiel erinnere ich mich an ein kleines Mädchen, das ihre Puppenstube kriegstauglich mit Verdunklung und einem Bunker versehen hat. Diese Ausstellung verdeutlicht, wie sehr Militär und Krieg das soziale Umfeld eines Menschen prägen und verändern. Welche Maschinerie und welche Gewalt im Krieg eingesetzt werden. Es zwingt jeden zum Nachdenken. Das Museum ist für alle Altersklassen geeignet und sollte kein Geheimtipp sein.

Gut zu wissen

Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Olbrichtplatz 2, 01099 Dresden, www.mhmbw.de. Öffnungszeiten: Do. – Di. 10 bis 18 Uhr, Mo. 10 bis 21 Uhr, Mi. geschlossen. Eintritt: 5€, ermäßigt 3€, Mo. ab 18 Uhr frei. Mehr zur Konzeption der Ausstellungen und zu den Zielen des Museums erfährst du im ScottyScout Interview mit Museumskuratorin Linda von Keyserlingk. Anreise: Haltestelle Stauffenbergallee, Straßenbahn (Linien 7, 8) bzw. Bus (Linie 64).

Karte wird geladen - bitte warten...

Militärhistorisches Museum der Bundeswehr 51.077075, 13.758929

Pin It on Pinterest

Share This