Während meiner Schulzeit durfte ich mich im Deutschunterricht oft mit Friedrich Schiller herumplagen. Damals ahnte ich noch nicht, dass der berühmte Dichter gar nicht weit von mir in jungen Jahren selbst sehr kreativ war. In der Zeit seines Dresdenaufenthalts 1785 bis 1787 beendete er sein Freiheitsdrama »Don Carlos«, und auch die berühmte »Ode an die Freude«, die Beethoven später in der Neunten Sinfonie vertonte, soll hier entstanden sein. Dresden muss den jungen Schiller also stark inspiriert haben.

Anders sieht es da mit den Bewohnern der Stadt aus. So gesteht er später in einem Brief: »Die Kursachsen sind nicht die liebenswürdigsten von unseren Landsleuten, aber die Dresdener sind vollends ein seichtes, zusammengeschrumpftes, unleid­liches Volk, bei dem es einem nie wohl wird. Sie schleppen sich in eigennützigen Verhältnissen herum, und der freie edle Mensch geht unter dem hungrigen Staatsbürger ganz verloren, wenn er je da gewesen ist.« Das doch recht harte Urteil sei dem jungen stürmischen Schiller verziehen, zumal belegt ist, dass es durchaus Dresdner (innen) gab, die seine Sympathie fanden.

In einem Schankgut in Blasewitz, in das Friedrich öfter einkehrte, wurde er von einer jungen Frau bedient, die ihm regelmäßig seine Milch servierte: Johanne Justine Renner — Kosename: Gustel. Schiller muss von ihrer anmutigen Erscheinung sehr angetan gewesen sein und auch ihre bezaubernde Stimme beeindruckte ihn. So sang Gustel ihm gelegentlich Lieder am Spinett vor. Man könnte fast sagen, dass es sich um eine Art »Casting« handelte, denn der Dichter schlug Gustel gar eine Bühnenkarriere vor, bei der er sie unterstützen wolle. Aber anders als heute war dieser Berufsweg nicht erstrebenswert und galt sogar als anrüchig — für die gut erzogene Justine also ausgeschlossen. So ganz konnte sich die junge Dame der Bühne aber nicht entziehen. Ob sie wollte oder nicht, Schiller setzte ihr ein kleines Denkmal in seinem »Wallenstein«. So finden sich in dem Klassiker heute noch die Worte: »Was? Der Blitz! Das ist ja die Gustel aus Blasewitz«.

Auf Schillers Spuren kannst du heute noch wandeln. Das kleine ehemalige Weinberghäuschen an der »Schillerstraße« schmückt heute eine Gedenktafel an den großen Dichter und ist in »Schillerhäuschen« umbenannt worden. Auf der gegenüberliegenden Elbseite lädt der »SchillerGarten« zum Verweilen ein, eben jenes Schankgut, in dem Friedrich Gustel beim Musizieren lauschte.

Gut zu wissen

Restaurant »SchillerGarten« im Stadtteil Blasewitz: Schillerplatz 9, 01309 Dresden, Tel. +49 (0)351 811990, www.schillergarten.de, Öffnungszeiten: Tägl. ab 11 Uhr.

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Ode an die Gustel 51.052510, 13.808720 Schillerplatz 9, Dresden, Deutschland (Routenplaner)

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