Albrecht Hoch ist Historiker und Stadtführer in Dresden. Als wirklicher 68er wuchs er in seiner Geburtsstadt im Sozialismus auf. Er war Mitglied im Kreuzchor und zur Wendezeit Soldat. Seit 2008 bietet er einen literarischen Rundgang auf den Spuren eines Schriftstellers und Altersgenossen durch Dresden Loschwitz an. Den Dresdner Semmeln folgend, führt er durch seinen heimatlichen Stadtbezirk und auch ein bisschen durch sein eigenes Leben.

Was genau ist die »Turmtour«, geht es nach oben?
Das stimmt tatsächlich, die Fahrt mit der Standseilbahn vom Blauen Wunder hoch zum Luisenhof ist Bestandteil meines Spaziergangs, der den fiktiven und realen Orten in Uwe Tellkamps Buch »Der Turm« nachfolgt.

Wie ist Ihnen die Idee für diese Art der Stadtführung gekommen?
Darauf brachten mich ein lokales Anzeigenblatt und eine Freundin. In der Zeitung hatte ein Loschwitzer Postkartenhändler kurz nach Erscheinen von »Der Turm« (2008) eine Liste mit im Buch genannten Orten veröffentlicht, sozusagen die Dechiffrierung von Fiktion und Realität. Die Schulkameradin brachte mich dann 2008 auf die Idee, eine Tour anzubieten. Seitdem biete ich die Führung regelmäßig an. Die Liste ist durch meine eigene Recherche, aber auch durch Hinweise von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der »Turmtour« schon einige Male korrigiert worden.

Wir sprechen von fiktionaler Literatur. Wie viel aus dem Buch erkenne ich zwischen den jetzt sanierten Villen?
Viele Straßennamen oder Geschäfte beziehen sich in abgewandelter Form auf reale Orte. Zum Beispiel die hiesige Bäckerei, auf deren Brötchen der Onkel der Hauptperson im Buch eine Ode singt.

Und dann laden Sie sich bei Familie Tellkamp zu Kaffee und Kuchen ein?
Der Schriftsteller wohnt seit ein paar Jahren wieder am »Weißen Hirsch«. Der Fokus aber ist ein anderer: Das Buch gibt viele Anknüpfungspunkte über die Geschichte des Stadtviertels, seine Bewohner und vor allem auch über das Leben im sozialistischen Dresden zu sprechen. Mit diesen Episoden und meinen persönlichen Erfahrungen — ich bin hier geboren und aufgewachsen — erklärt sich Geschichte sehr eingängig. Für mein Angebot war die mediale Wahrnehmung des Buches aber sicher auch ein Glücksfall.

Gut zu wissen

Die »Turmtour« und andere Stadtführungen kann man online bei Albrecht Hoch buchen: www.hochtouren-dresden.de. Den Stadtteil »Weißer Hirsch« erreicht man mit der Standseilbahn ab Körnerplatz. Ein Literaturtipp für das historische Dresden ist Fritz Löffler (2012): Das alte Dresden, Verlag Seemann Henschel. Der Autor ist der Vater von Albrecht Hochs Freundin, die ihn 2008 auf die Idee zur »Turmtour« brachte.

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Real Fiction – ein literarischer Spaziergang 51.061596, 13.823246 Rißweg 60, Dresden, Deutschland (Routenplaner)

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