von Gastautorin Beate Baum

Beate Baum ist Kultur- und Reisejournalistin und Autorin. In ihrer Krimireihe um die Journalistin Kirsten Bertram sind Wahrheit und Fiktion ihrer Wahlheimat Dresden oft nur mit dem Seziermesser zu trennen:

Eigentlich müsste natürlich jeder Club als Ort der Demokratie bezeichnet werden. Zumindest weiß ich in Dresden von keinem Veranstalter, der so genanntem »Rechtsrock« eine Bühne gibt. Im Gegenteil: In den Locations zählt keine Herkunft, keine Hautfarbe, sondern nur Qualität.

Andreas Grosses »Musik zwischen den Welten« ist aber noch einmal etwas anderes. Im Herbst 2005 startete die Reihe unter dem Etikett Weltmusik, wobei Grosse damals sagte, er könne mehr mit dem Begriff Roots-Music anfangen: »Es ist Musik, die ihre Wurzeln nicht verleugnet, dabei aber wie ein Baum in den Himmel wachsen kann.« Die Orte, an denen die zu Beginn stets sonntäglichen, heute mehrmals wöchentlichen Konzerte stattfinden, sind das Kleine Haus des Staatsschauspiels und die Dreikönigskirche.

Als Kulturjournalistin habe ich die Reihe von Anfang an begleitet und war gleich begeistert von der Vielfalt an Musik aus aller Welt. In bester Erinnerung geblieben ist bis heute der Auftaktabend mit Zulya aus Russland, aber auch die beiden Auftritte der leider in der Zwischenzeit verstorbenen Asita Hamidi aus dem Iran – beide Formationen, so unterschiedlich sie waren, zeigten, welch atemberaubende Ergebnisse es geben kann, wenn Folklore die Basis für Improvisationen ist. Sehr viele Musiker präsentieren auch traditionelle Folkmusik, werden so natürlich erst recht zu Botschaftern ihrer Kulturen.

Und das Publikum? Erscheint fast immer in großer Zahl und ist ebenfalls sehr bunt. Wie beim Adventskonzert von Nobuntu aus Simbabwe im vergangenen Jahr, wo man etliche Schwarze auch in den Stuhlreihen vor dem imposanten Altar der Dreikönigskirche sah – eine Bühne, die, nebenbei bemerkt, kaum einen Künstler unberührt lässt.

Seit die Gröler von Pegida unterwegs sind, spricht Andreas Grosse im Editorial seiner dreimonatlich erscheinenden Ankündigungs-Broschüre Tacheles, stellt notwendige Fragen. Und im Herbst 2014 ließ er erstmals ein Plakat drucken mit dem Rio Reiser-Titel »Mein Name ist Mensch«, Fotos »seiner« Musiker/innen und der Unterzeile: »Weder in Dresden noch anderswo: Unsere Welt hat keinen Platz für Rassismus.«

Gut zu wissen

Die Konzertreihe Musik zwischen den Welten – www.mzdw.de – findet in der Dreikönigskirche (An der Dreikönigskirche, 01097 Dresden) und im Kleinen Haus des Staatsschauspiels (Glacisstraße 28, 01099 Dresden) statt. Anreise für beide Veranstaltungsorte: Haltestelle Albertplatz, Straßenbahn (Linien 3, 6, 7, 8, 11).

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Musik zwischen den Welten - Dreikönigskirche: 51.060879, 13.743274
Musik zwischen den Welten - Kleines Haus: 51.061600, 13.750620

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