Zugreisende, die die Dresdner Marienbrücke überqueren, werden sich beim Blick aus dem Fenster die Augen reiben. »Habe ich da tatsächlich gerade eine Moschee gesehen?« Sie haben — nun zumindest etwas, was so aussieht.

Nicht weit von der Elbe entfernt erhebt sich mit über sechzig Metern ein imposantes Gebäude mit einer großen orientalischen Kuppel und einem Turm, der einem Minarett ähnelt. Im barocken Dresden überrascht solche Architektur. Aber vielleicht war das ja gerade die Absicht von Hugo Ziets, als er sich entschloss, 1908 seine Tabakfabrik in Dresden zu errichten.

Hinter den orientalischen Mauern wurde Anfang des 20. Jahrhunderts Tabak verarbeitet und gelagert. Damals gab es eine Verordnung der Stadt, dass Fabriken im unmittelbaren Stadtzentrum nicht als solche erkennbar sein durften. Also entschied sich der Unternehmer für diese phantasievolle Gestaltung. Die bunte Glaskuppel der »Yenidze« beherbergte das Tabakkontor, und das »Minarett« entpuppt sich beim näheren Hinschauen als getarnter Schornstein. Diese »neumodische« Architektur stieß damals bei den Dresdnern auf wenig Gegenliebe. Heute beherbergt das Gebäude Büroräume. In der Kuppel können Besucher regelmäßig »Geschichten aus Tausendundeiner Nacht« lauschen.

Die Tabakfabrik blieb nicht das einzige architektonische Experiment in der sächsischen Landeshauptstadt. Hier entstand das erste Kugelhaus der Welt. Mit einem Durchmesser von ca. 24 Metern war das Gebäude 1928 die Attraktion bei der Dresdner Jahresschau »Die Technische Stadt« im Großen Garten. Die sechs Etagen der Kugel waren mit einem Aufzug verbunden. Leider wurde es zehn Jahre später abgerissen, da sich kein Käufer fand. Außerdem beschimpften die Nationalsozialisten das Bauwerk von Peter Birkenholz als »entartete Technik«. Heute besitzt die Landeshauptstadt wieder ein Kugelhaus, wenn auch an anderem Ort und mit etwas anderer Form. Wer am Dresdner Hauptbahnhof aussteigt und auf den Wiener Platz, den Bahnhofsvorplatz, hinaustritt, erkennt gleich die Kugel, eingefasst in moderne Architektur. Dresden hat also neben seinem beeindruckenden barocken Stadtzentrum einige interessante architektonische Besonderheiten zu bieten. Auch wenn es neue Ideen in Elb-Florenz anfangs etwas schwerer haben als anderswo, bleibt die Zeit auch hier nicht stehen. Wer weiß, welche Überraschungen in Zukunft noch auf uns warten.

Gut zu wissen

Das ehemalige Fabrikgebäude der Zigarettenfabrik Yenidze steht an der Weißeritzstraße 3, 01067 Dresden. Unter der Kuppel finden regelmäßig Märchenveranstaltungen statt: www.1001maerchen.de. Anreise: Bahnhof Dresden-Mitte, S-Bahn (Linie S1, S2).

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Ein Hauch von Orient 51.058955, 13.726677 Yenidze, Weißeritzstraße, 01067 Dresden (Routenplaner)

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