Schwerin BrückeBeim Durchforsten der Newsletter bin ich beim Interview von „einfach bewusst“ mit Michael Moll hängen geblieben. Da reist einer rund um die Welt ohne in ein Flugzeug zu steigen, so kommt Freude auf bei der persönlichen CO2-Bilanz. Gut reden, wenn man alle Zeit der Welt hat und auch noch als Reisebuchautor arbeitet – könnte man denken.

Was mich an dem Interview zu unserem Thema „nachhaltig Reisen“ und „nachhaltige Reiseführer“ beschäftigt hat, ist ein Nebensatz: Warum innerhalb Deutschlands in den Flieger steigen? Ja, man kann vielleicht die ein oder andere Stunde sparen. Aber fällt das so sehr ins Gewicht, wenn man die An- und Abreisen zu den jeweiligen Flughäfen einrechnet? Und das auch noch im Urlaub, in dem nicht jede Stunde über irgend eine Kostenstelle abgerechnet werden muss?
Vielleicht ist es gar nicht die Zeitersparnis. Vielleicht ist es einfach unser gewohntes Denken, das uns zu solch einem Blödsinn verleitet. Wenn ich es gewohnt bin, jeden Tag über meine Zeit Rechenschaft abzulegen, wenn ich meinen Tag in Stunden und Minuten einteile – dann fällt es schwer, diese Denke beim Beginn des Urlaubs abzulegen.

 

Ist nachhaltiges Reisen also vor allem ein Kopfsache?

Es fängt zumindest im Kopfe an! Wir könnten es uns jetzt einfach machen uns behaupten: Unsere Reiseführer sind nachhaltig – unsere lokalen Scouts beschreiben Orte im deutschsprachigen Raum, da kommt man auch ohne Flieger hin. Aber darum geht es uns nicht. Wir wollen unsere Leserinnen und Leser darauf aufmerksam machen, was es alles zu entdecken gibt, direkt vor der eigenen Haustür oder zumindest in einem mit Bus und Bahn erreichbaren Umfeld. Wir wollen zusammen mit unseren Scouts zeigen, dass der Wunschort für den nächsten Urlaub auch ein bisschen eine Sache der Wahrnehmung ist, eine Sache der Information und Informiertheit über Orte und Regionen. Wenn ich mich eben nicht nur „informieren lasse“ vom nächsten Plakat mit Palme oder dem attraktiven Billig-Wochenend-Sonderangebot einschlägiger Reiseanbieter im Netz.

Was ich persönlich auch kritisch sehe ist die Büßer-Peitsche auf dem eigenen Rücken: Du willst Reisen? Schäm dich! Was ich mich in unserer hyperglobalisierten Welt mit allen Möglichkeiten aber auch frage: Muss es jedes Jahr im Urlaub „so weit weg wie möglich“ sein? Kommt es vielleicht eher auf das (persönliche) Maß an? Und dann habe ich auf dem Spaziergang durch den Wald der Uckermark am Wochenende gedacht, so viel anders als im australischen Busch hört und fühlt sich das hier auch nicht an.