Das ganze Gebäude atmet Weisheit aus: Schon bei meinem ersten Besuch überkam mich Dankbarkeit. In so einem Ehrfurcht einflößenden, beeindruckenden Gebäude lesen und lernen zu dürfen empfinde ich als großes Glück. Es ist eine beflügelnde Vorstellung, so viele Erkenntnisse umschlossen zwischen Buchdeckeln um mich herum zu wissen.

Dabei ist das Schicksal der Bibliotheca Albertina durchaus mit dem der Dresdner Frauenkirche zu vergleichen: Die Bibliothek wurde zu zwei Dritteln zerstört, fristete über Jahrzehnte ein trauriges Dasein als Ruine, um dann – wie Phönix aus der Asche – nach der Wende wieder aufzuerstehen. Seit dem Wiederaufbau (1992 bis 2002) beherbergt der monumentale Bau wieder die Hauptbibliothek der Universitätsbibliothek Leipzig und beeindruckt gleich in mehreren Hinsichten.

Zum Ersten von außen: Der Bau gehört mit zu dem eindrucksvollsten Gebäude-Ensemble im Leipziger Musikviertel, das in der sogenannten Gründerzeit in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Zum Zweiten von innen: Trotz langer Regalreihen sind die Räumlichkeiten hell und großzügig bestückt. Durch die Glaskuppeln kann ich den Himmel sehen, den Wolken beim Vorbeiziehen zuschauen. Zum Dritten: Durch die riesige Anzahl an Büchern und Werken, die hier verzeichnet sind und dem Nutzer zur Verfügung stehen, gegenwärtig über 5,5 Millionen Bände und rund 3.000 laufende Zeitschriften.

Zum Vierten durch das Alter: Gegründet wurde die Universitätsbibliothek Leipzig bereits im Jahre 1543. Damit gehört sie zu den ältesten Universitätsbibliotheken Deutschlands. Zum Fünften durch das Flair: Es herrscht eine friedliche, produktive Stimmung, die dazu anhält, den Geist zu gebrauchen, sich auf ein Thema zu fokussieren und doch auch offen zu sein für Neues, konkret bereit zu sein, sich von anderen Impulsen inspirieren zu lassen. Im Erdgeschoss lädt das liebevolle, kleine Café Alibi zum Verweilen ein.

Und wer mal an die frische Luft muss, setzt sich einfach auf die Stufen vor dem Haupteingang. Hier sitzen Langzeitstudenten neben Erstsemestern, Doktoranden neben Erasmus-Studenten. Die Sonne im Gesicht und über Jahrhunderte gesammeltes Wissen im Rücken. Ein schöner Platz zum Denken.

Gut zu wissen

Bibliotheca Albertina, Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig, www.ub.uni-leipzig.de. Öffnungszeiten: 8 bis 24 Uhr. Jeden zweiten Sonntag im Monat öffnet die Bibliothek ihre Tore für interessierte Besucher. Treffpunkt Führung: 11 Uhr, Eingangshalle. Anreise: Haltestelle Neues Rathaus bzw. Wilhelm-Leuschner-Platz.

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Wo Lernen Lust macht – Bibliotheca Albertina 51.332462, 12.368181 Beethovenstraße 6, Leipzig, Deutschland (Routenplaner)