Der Begriff »Leipziger Tieflandbucht« sagt eigentlich alles: In dieser geologischen Formation hat alles ungefähr die Oberfläche einer Tischtennisplatte. Wer wie die Verfasserin dieser Zeilen so aufgewachsen ist, vermisst vielleicht nichts, überliefert sind aber zahlreiche Klagen über die mangelnde Landschaft der Stadt Leipzig. Joachim Ringelnatz schrieb: »Die Berge sind so schön, so erhaben! – Aber es gibt hier keine.« Die vorhandenen Hügelchen lugen derart verschüchtert in die Gegend, dass sie wohl nur Feldherren auffallen, wenn sie gerade die Völkerschlacht überwachen wollen. So ist der Monarchenhügel in Liebertwolkwitz (159 Meter) zu seinem Namen gekommen, der Galgenberg gleich um die Ecke überragt ihn um drei Meter.

Diese und noch eine sehr kleine Handvoll mehr sind auf natürlichem Weg entstanden. Andere Erhebungen sind dadurch ins Flachland gewachsen, dass man aufgeschüttet hat, was sowieso gerade übrig war. Auch das Völkerschlachtdenkmal steht auf einem künstlichen Hügel. Vielleicht hatten die Erbauer Angst, der düstere Koloss könnte übersehen werden, als sie loszogen, altes Geschirr und Schutt zu sammeln, auf dem sie dann das Kriegsgedenken in Porphyr setzten. Das Schuttmodell setzte sich durch, man sagt nur nicht schnöde Kippe oder Deponie dazu, sondern Scherbelberg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Schutt und Gebäudereste zusammengekehrt und auf die Bauernwiesen in der Südvorstadt gesetzt. Der neue Berg von 40 Metern (153 über NN) steht da, als hätte er schon die frühzeitlichen Besiedlungen gesehen und heißt im Volksmund Fockeberg.

Und dort steppt der Berg: Fockeberglauf, das Internationale Seifenkistenrennen Prix de Tacot und das Fockebergzeitfahren, ein Radrennen, sind mehr oder weniger ernst gemeinte sportliche Veranstaltungen im Jahreslauf. Downhillfahrer nutzen die steilen Hänge, andere einfach die Aussicht vom Plateau oder die dortigen Wiesen für Picknick und Lagerfeuerstimmung mit Gitarre. Die Aussicht treibt natürlich nicht zuletzt in der Silvesternacht die Massen nach oben. Wer alleine über die Welt nachdenken oder zu zweit romantisch werden will, braucht also richtig schlechtes Wetter. Oder versucht es werktags am Vormittag.

Gut zu wissen

Fockeberg an der Fockestraße, 04275 Leipzig. Höhe Hardenbergstraße / Steinstraße. Anreise: Haltestelle August-Bebel-Straße / Kurt-Eisner-Straße, Bus (Linien 60, 89) bzw. Haltestelle Karl-Liebknecht-Straße / Kurt-Eisner-Straße, Straßenbahn (Linien 10, 11).

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Berg im tiefen Tal – der Fockeberg 51.317500, 12.362222 Fockeberg, Leipzig, Deutschland (Routenplaner)