Die Friedliche Revolution ist die Lebensgeschichte vieler Leipziger. Zum Beispiel meines Nachbarn, der von seiner Haft nach einer Demonstration erzählt. Oder die Geschichte der Frau, die mit Tränen in den Augen neben mir auf dem Lichtfest steht. Und so bunt wie die Menschen, die sich für die Friedliche Revolution eingesetzt haben, so bunt sind heute die zahlreichen Erinnerungsorte dazu. Allein im Nikolaikirchhof finden sich drei künstlerische Denkmale, die den Drang nach Freiheit symbolisieren. Friedliche Revolution in Leipzig – das sind die Friedensgebete, die Montagsdemonstrationen und viele Aktionen mehr.

Das zentrale Ereignis aber war die Demonstration am 9. Oktober 1989. Diesem Datum ist mittlerweile ein Fest gewidmet und wenn aus den Fenstern des Uniriesen die »89« auf den Augustusplatz strahlt, dann ist es wieder so weit: Leipzig feiert das Lichtfest. Erinnert wird an den 9. Oktober 1989, weil an diesem Montag 70.000 Männer und Frauen für Freiheit und Demokratie einstanden. Alle hatten eine ordentliche Portion Mut dabei. Denn die Staatsmacht stand bereit, den Demonstrationen ein Ende zu setzen. Doch der Ruf »Keine Gewalt« erschallte auf dem Leipziger Ring. Und die Demonstranten waren keine kleine Randgruppe mehr, sie waren das Volk. Und sie liefen von der Nikolaikirche auf den Augustusplatz und weiter zum Hauptbahnhof. Vorbei an der Reformierten Kirche, von deren Turm heimlich gefilmt wurde. Die Demonstranten zogen an der Runden Ecke, dem Sitz der Stasi vorbei. Und jede Woche wurden es mehr. Als Anfang November eine halbe Million Menschen um den Ring liefen, starteten die Letzten, als die Ersten schon wieder auf dem Augustusplatz ankamen.

Das größte Kunstwerk zu der Entwicklung im Jahr 1989 ist ein Gemälde von Michael Fischer-Art. Das Werk wurde 2009 an einer Häuserfassade zwischen den Straßen Brühl und Richard-Wagner-Straße angebracht. Auf 3.000 Quadratmetern zeigt es im ersten Teil – ganz links – die Massendemonstrationen in Leipzig. Der Mittelteil des Gemäldes, in dem man Ereignisse aus dem Sommer 1989 erkennen kann, zeigt einen Teil der Vorgeschichte.

Wer aber die Vorgeschichte speziell in Leipzig nachvollziehen will, dem empfehle ich mit der App »Leipzig ’89« die Stadt zu erkunden. Mit dem geschichtlichen Hintergrund aus dem Jahr 1989 ermöglicht sie einen neuen Blick auf die Orte in der Innenstadt, sei es der Thomaskirchhof, der Markt oder viele andere.

Gut zu wissen

Start des Stadtspaziergangs: Nikolaikirchhof, 04109 Leipzig. Auf der Strecke liegen die im Text erwähnten Orte. Download der App »Leipzig ’89« auf der Webseite: www.runde-ecke-leipzig.de. Dort werden auch Stadtführungen angeboten: Samstags, 14 Uhr, Preis: 4€. Anreise: Haltestelle Augustusplatz.

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Orte der Friedlichen Revolution 51.343022, 12.376501 Brühl, Leipzig, Deutschland (Routenplaner)