Helheim geschlossen? »Wenn die Hölle dicht ist, kommen die Toten auf die Erde«, könnte man frei nach »Dawn of the Dead« meinen und das auch als Warnung verstehen. Denn das Helheim – benannt nach der Unterwelt in der nordischen Mythologie – stand 2014 irgendwo zwischen Ämter-Hickhack und Stadtteilaufwertung aufgerieben vor dem Aus. Eigentlich passt die Film-Anspielung ganz gut, ist Romeros Zombie-Streifen doch auch verfilmte Kapitalismuskritik. Denn das Helheim sollte nie Goldgrube sein, war immer mehr Herzens- und Nebenprojekt – und als solches wird es bis heute weitergeführt. Eine Unterstützergruppe hält den Laden unter anderem mit Soliaktionen am Laufen.

Vor zehn Jahren zog der Laden in die Räumlichkeiten einer Eckgaststätte. In jenen Jahren war im Leipziger Westen noch nichts zu spüren vom kommenden Boom. Mich zog es immer widerwillig in die Gegend. Aber zum Glück gab es ja das Helheim. Die Release-Partys lokaler Metal-Geschwader, die ich hier erlebte, kann ich gar nicht mehr aufzählen. Von den Malen, die man sich »nur so« hier traf, ganz zu schweigen. Kulinarisch geht es bodenständig zu und man sucht die drei goldenen Haare in der Suppe vergeblich. Neben dem normalen Kneipenbetrieb wird einmal die Woche das »Mittwochsfutter« serviert, das stets deftige Hausmannskost meint: Rinderbraten Burgund mit Schwarzwurzeln und Petersilienkartoffeln oder Eier in Senfsoße mit Kartoffeln und Gurkensalat. Heute gibt’s Geflügelleber mit Kartoffelstampf und gebratenen Zwiebeln. Bergeweise wird aufgetischt. Es schmeckt, wie es sich gehört, und scheint auch die anderen Anwesenden in Schwarz gehaltener Bekleidung satt und zufrieden zu machen.

Mit einem Absacker in der Hand, aus dem Getränkeangebot – Cocktails und Longdrinks heißen stilecht Assischorle (Goldkrone mit Zitronenlimonade), Blue Death (Wodka, Blue Curaçao) und Vidergänger (Met, Wodka, Apfelsaft) – picke ich ein einfaches Rosen-Pils, lasse ich mich ins Ledersofa fallen. Mein Blick schweift über Kickertisch und Kachelöfen zum angeschlagenen Kulturprogramm. Sonntag wird gemeinsam beim »Tatort« geraten, donnerstags stehen Lesungen an, freitags gibt es »Metal-Alarm« aus der Konserve. Hin und wieder heißt es »Armageddon über Plagwitz«. Helheim bleibt.

Gut zu wissen

Helheim, Weißenfelser Str. 32, 04229 Leipzig, www.helheim-leipzig.info, Tel. +49 (0)341 8706376. Öffnungszeiten: Mi. – Sa. ab 19 Uhr (Open End), Di. und So. 19 bis 1 Uhr. Anreise: Haltestelle Felsenkeller, Straßenbahn (Linien 3, 14).

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Armageddon über Leipzig Plagwitz 51.331430, 12.336450 Weißenfelser Straße 32, Leipzig, Deutschland (Routenplaner)