Hier lassen sich vergangene Stadtstrukturen erahnen: Zwischen alten Fabrikruinen, Gründerzeithäusern und Brachflächen erstreckt sich der Lene-Voigt-Park wie ein langer Schlauch durch den Leipziger Osten. Rund 800 Meter lang, aber nur zwischen 80 und 130 Meter breit ist das ehemalige Bahngelände. Ab 1874 war der Eilenburger Bahnhof in Betrieb, doch schon 1915 mit der Fertigstellung des Hauptbahnhofes wurde der Personenverkehr umgelegt. 1942 wurde der Betrieb ganz eingestellt und das Gelände überwiegend als Brachfläche vernachlässigt. Mittlerweile ist ein Park daraus geworden, eine »unverblümte« Grünfläche, ein Stück authentisches Leipzig, ein bisschen schnodderig, ganz wie der Dialekt.

Benannt ist der Park nach Lene Voigt, einer sächsischen Mundart-Dichterin. Sie schrieb in der Sprache der einfachen Menschen, hat also wie einst Martin Luther »dem Volk aufs Maul geschaut«. Beim erstbesten Anlass hatte mir eine Freundin, die schon viel länger in Leipzig lebt als ich, einen Gedichtband mit Lene Voigts „säk’sche Ballladen“ geschenkt. Folgerichtig, dass sie mir auch den Park zeigte.

Wer den Alltag mit unterschiedlichsten Menschen, beim Joggen, Ausruhen, Picknicken, Hund ausführen, Buch lesen oder einfach nur beim »Dasein«, teilen will, der ist in diesem Park gut aufgehoben. Auch interessant: Für die Gestaltung des Stadtteilparks wurde die Stadt Leipzig 2002 im Wettstreit um die gelungenste »Erneuerung städtischer öffentlicher Räume« ausgezeichnet. Ausgelobt wurde der Preis vom Zentrum für Zeitgenössische Kultur Barcelona und Architekturzentren in Paris, London, Rotterdam und Wien.

Gut zu wissen

Lene-Voigt-Park, 04317 Leipzig. Der Park befindet auf dem Gelände des ehemaligen Eilenburger Bahnhofs. Eingänge gibt es an der Eilenburger Straße, der Reichpietschstraße und am Gerichtsweg. Anreise: Haltestelle Gutenbergplatz, Straßenbahn (Linie 15).

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»Unsere liebe Lene« - vom Menschsein im Lene-Voigt Park 51.334580, 12.396655 Lene-Voigt-Park, Reichpietschstraße, Leipzig, Deutschland (Routenplaner)