Direkt vor dem Haupteingang der Thomaskirche erhebt sich majestätisch ein Denkmal für Felix Mendelssohn Bartholdy. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches, sollte man denken. Ein großes Denkmal für einen bedeutenden Musiker, der eng mit der Stadt verbunden ist. Ganz normal also. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich die wechselvolle Geschichte des Denkmals, das tief hinein führt in düsterste und hellere Geschichten der Leipziger Musik- und Stadtgeschichte.

Eingeweiht wurde das Denkmal 1892 vor dem im zweiten Weltkrieg zerstörten, 1884 errichteten Gewandhaus im Musikviertel. Ziel war es, die zahlreichen Verdienste des bedeutenden Gewandhauskapellmeisters, Gründer der ersten Deutschen Musikhochschule und Bach-Erinnerer Felix Mendelssohn Bartholdy für die Musikstadt Leipzig zu würdigen. Im Nationalsozialismus wurde Mendelssohn, obwohl getauft, zur Zielscheibe antisemitischer Hetze. Am 9. November 1936, dem Jahrestag des Hitlerputsches, wurde das Denkmal von Nationalsozialisten entfernt und eingeschmolzen. Der damalige Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler, der an diesem Tag gerade im Ausland war, trat daraufhin aus Protest von seinem Amt zurück.

Erst nach der Friedlichen Revolution von 1989/90 keimte der Wunsch, das Denkmal wieder aufzubauen. Doch stand nun das alte Gewandhaus nicht mehr und von dem ursprünglichen Denkmal fehlte auch fast jede Spur. So entschied man sich, das Denkmal in der Nähe der Thomaskirche wieder aufzubauen, was nach vielen Komplikationen im Oktober 2008 geschah.

Im Januar 2008 gehörte ich zu einer Gruppe junger Musikstudenten, die einen Beitrag zur Aufstellung einer Nachbildung des Denkmals am heutigen Standort leisten wollten. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass ab 1933 auch viele Leipziger Musiker tatenlos zusahen, wie Gewandhausmusiker und der damalige Gewandhauskapellmeister Bruno Walter auf Grund ihrer jüdischen Herkunft ausgegrenzt wurden, schien es uns angemessen, einen Beitrag zur Erinnerung und zur Rehabilitierung Mendelssohns zu leisten.

Ein Benefizkonzert mit zahlreichen Mitwirkenden wurde im Großen Saal der Hochschule organisiert, wir Musiker hatten Freude am Musizieren, die Öffentlichkeit nahm Notiz von der geplanten Neufassung des Denkmals und am Ende kam auch noch ein wenig Geld für die Realisierung des Wiederaufbaus zusammen. An diesen Moment erinnere ich mich gerne, wenn ich heute vorbei am strahlenden Mendelssohn-Denkmal in die Thomaskirche gehe.

Gut zu wissen

Das Mendelsson-Denkmal steht direkt am Dittrichring, gegenüber der Thomaskirche. Das Musikviertel liegt 1 km in Richtung Südwesten von der Thomaskirche entfernt.

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Das Mendelssohn Denkmal kehrt zurück 51.339473, 12.371520 Thomaskirchhof, Leipzig, Deutschland (Routenplaner)