Wir steigen in Grimma, unweit der schönen Altstadt, in ein Boot namens »Katharina von Bora« und legen kurze Zeit später an der Schiffsmühle Höfgen an, heute ein Erlebnishotel mit viel Platz ringsum. Bis 1871 war es tatsächlich eine Schiffsmühle, im Fluss steht noch das riesige Wasserrad hinter einem klitzekleinen Museum. Wir spazieren weiter, mit den Händen über die Ähren der noch jungen Gerste streifend, zum kleinen Fährhaus, das verwunschen zwischen zwei grünen Riesen steht. Der Fährmann stakst uns über die Mulde. Eigentlich wird das Boot schräg in die Strömung gedreht, die Wasserkraft schiebt es am Seil entlang ans andere Ufer. Aber heute reicht die Strömung nicht, seine Muskelkraft ist gefragt. Auf der anderen Uferseite zeigt er auf die Glocke, mit der wir ihn für die Rückfahrt heranläuten sollen.

Ein kurzer Spaziergang nach Wald duftend, mit riesigen Farnen und Kräutern am Wegesrand führt uns zu den gepflegten Überresten des Zisterzienserinnenklosters St. Marienthron zu Nimbschen. Katharina von Bora begrüßt uns – zumindest ihr Abbild auf einer der großen Informationstafeln. Die Zisterzienser hatten für die wirtschaftliche Erschließung des Muldentales eine große Bedeutung. Das Kloster St. Marienthron wurde Ende des 13. Jahrhunderts gebaut. Katharina von Bora kam, gerade 10 Jahre alt, 1509 hierher. Das reformatorische Gedankengut Luthers hielt schon bald im Kloster Nimbschen Einzug, so auch seine Kritik am Klosterleben. In der Osternacht 1523 flohen mit Hilfe von drei Torgauern zwölf Nonnen aus dem Kloster, unter ihnen Katharina von Bora. Zwei Jahre später heiratete sie Martin Luther. Sie war eine hervorragende Wirtschafterin und außergewöhnlich selbstständig. Als einzige Frau durfte sie an Luthers Tischgesprächen mit Studenten, Professoren und Glaubensflüchtlingen teilnehmen.

1542 wurde das Kloster aufgelöst. Bis ins 19. Jahrhundert nutzte man Kirche und Klausurgebäude nur als Baumaterial. Heute werden hier Hochzeiten gefeiert, Touristen und Lutherweg-Pilger schauen vorbei. Grimmaer Schüler spielen Theater: »Die Nonnenflucht«, die Sächsische Bläserakademie die Oper »Katharina von Bora«. Wir pilgern zurück, läuten nach dem Fährmann, der uns sicher übersetzt. Er empfiehlt uns noch die Wassermühle Höfgen, den Jutta-Park, die Denkmalschmiede Kaditzsch – alles in Laufweite. Das nächste Mal.

Gut zu wissen

Das Kloster Nimbschen liegt südlich von Grimma an der Mulde, Nimbschener Landstraße 1, 04668 Grimma. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Hotel mit Restaurant. Mit dem Schiff von der Grimmaer Innenstadt, ist die wohl schönste Möglichkeit der Anreise. Webseite zur Muldenschifffahrt: www.grimma.de. Die Abfahrtsstelle befindet sich an der Hängebrücke am Colditzer Weg in Grimma.

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Ein Spaziergang im Muldental – von der Schiffsmühle Höfgen bis Kloster Nimbschen 51.215150, 12.741240 Nimbschener Landstraße 1, 04668 Grimma, Deutschland (Routenplaner)