»Krumme Ecke Schreckenshaus – wann wird ein Museum draus«, so kann man auf einem Transparent im Flur des Museums in der »Runden Ecke« lesen. Es ist ein Zeugnis der Friedlichen Revolution aus dem Herbst 1989 und Zeugnis für den Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen DDR die Schrecken der Stasi endlich in ein Museum verbannen zu können. In Leipzig beherbergte das Gebäude »Runde Ecke« von 1950 bis 1989 die Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Welche Ausstrahlungskraft es hatte begriff ich, als eine Besucherin des Museums mir erzählte, sie habe sich 20 Jahre nach dem Ende der DDR zum ersten Mal getraut das Gebäude zu betreten. Heute findet man darin die Stasi tatsächlich als Museumsgegenstand. Schon 1990 eröffnete das Bürgerkomitee in Leipzig eine erste Ausstellung über die Stasi. Diese ist bis heute im Museum in der »Runden Ecke« integriert.

Steigt man die halbrunden Stufen im Eingangsbereich nach oben und tritt linkerhand in die Ausstellung »Stasi – Macht & Banalität«, dann landet man in einer anderen Welt. Hier kann man die DDR noch riechen – sie hängt fest in den Vorhängen, Fußböden und in der Einrichtung der Räume. Die Ausstellungsräume beschäftigen sich überwiegend mit den Arbeitsmethoden, durch welche die Stasi ihr Amt als »Schild und Schwert der Partei« ausübte. Eine Zelle aus der Untersuchungshaftanstalt, Geräte aus der Postkontrolle, Geruchskonserven, Verkleidung und vieles mehr zeigen eindrücklich auf, wie die Stasi Lebenswege der Bürger der DDR manipuliert hat, um die eigene Ideologie mit allen Mitteln durchzusetzen.

Die Ausmaße des Überwachungsapparates in der DDR nahm ich besonders eindrücklich wahr, als ich den Bürogebäudekomplex der Stasi einmal umrundet habe. Denn dazu gehörte nicht nur das Gebäude am Dittrichring, sondern auch der 1985 fertig gestellte Plattenbau, der als hässlichstes Gebäude in der Leipziger Innenstadt ins Auge sticht. Dort fanden 1989 rund 800 hauptamtliche Mitarbeiter Platz.

Übrigens: Möchte man Einsicht in mögliche Stasi-Akten über die eigene Person beantragen, dann ist man hier auch an der richtigen Adresse. Wendet man sich im Eingangsbereich nach rechts, kommt man zur BStU, der Behörde die heute die 170 Kilometer Aktenmaterial der Stasi verwaltet.

Gut zu wissen

Museum in der »Runden Ecke«, Dittrichring 24, 04109 Leipzig, www.runde-ecke-leipzig.de, Tel. +49 (0)341 9612443. Öffnungszeiten: Mo. – So. 10 bis 18 Uhr (Eintritt frei). Empfehlung: Mit dem Audioguide oder einer Führung (tägl. 15 Uhr) durch die Ausstellung gehen. Anreise: Haltestelle Thomaskirche, Straßenbahn (Linie 9).

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Museum in der »Runden Ecke« – Ausstellung zur Stasi 51.341765, 12.369940 Dittrichring 24, Leipzig, Deutschland (Routenplaner)