Hier am Palmengartenwehr wird für mich am deutlichsten erkennbar, dass Leipzigs Stadtentwicklung auf Wasser gebaut ist. Immerhin umfasst das Gewässernetz fast 180 Kilometer. Der Gewässerknoten von Elster, Pleiße, Luppe und Parthe machte diesen Ort überhaupt für die Besiedlung attraktiv. Überschwemmungen lassen fruchtbaren Boden entstehen. Die Flüsse dienten dem Transport, Wasserkraft bedeutete Energie – man denke an die in den Namen Floßgraben und Pleißemühlgraben angelegten Funktionen. Über den im 17. Jahrhundert erschlossenen Floßgraben brachten die Flößer Holz in die Stadt – der Floßplatz erinnert noch an ihre Anlandestelle und den Stapelplatz. Der Anschluss Leipzigs an die Weltmeere ist ein Jahrhunderte alter Traum, dem man mit dem Karl-Heine-Kanal vor gut 100 Jahren ein großes Stück näher kam. Heute ist auch der Abschnitt zum Lindenauer Hafen frei und in den nächsten Jahren soll die Verbindung der städtischen Gewässer an die Saale abgeschlossen sein und man vom Cospudener See bis nach Hamburg schippern können.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden viele der Fließe versteckt oder trockengelegt; Leipzigs feuchtes Antlitz geriet aus dem Bewusstsein. Die Abwasserlast verschmutzte zusehends die Gewässer und die zur Naherholung eingerichteten Flussbäder verschwanden. An Lebensqualität dank Wasser war nicht mehr zu denken. Abwassereinleitungen aus der Braunkohleveredelung und der chemischen Industrie machten die Gewässer biologisch tot. Mancher Graben wurde unter die Erde verlegt, zum Teil sind sie schon wieder ans Tagelicht zurückgeholt worden. Die Deindustrialisierung nach der Wende vernichtete zwar zig Arbeitsplätze – der Natur kam es aber zu Gute.

Wenn man heute am Palmgartenwehr Weiße Elster und Elsterflutbett zusammenfließen und das Elsterbecken fluten sieht, kann man sich nicht mehr vorstellen, was für eine stinkende Brühe hier einst herumschwappte. In einer Länger von 50 Metern überspannt das Wehr die Elster. Die drei Türme der 1917 fertig gestellten Anlage lassen sie wie eine trutzige Burgmauer wirken. Und in der Tat dient sie neben der Wasserspiegelangleichung besonders dem Hochwasserschutz. Auch wenn es für mich das Symbol der Wasserstadt Leipzig ist.

Gut zu wissen

Palmengartenwehr, Am Elsterwehr, 04109 Leipzig. Anreise: Haltestelle Klingerweg, Straßenbahn (Linien 1, 2). Einen besonderen Blick auf das Wehr bekommt man vom Kanu aus. Leihstation: »Kanuverleih am Rennbahnsteg«, Rennbahnweg 2a, 04107 Leipzig, www.kanuverleih-leipzig.de

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Das Palmengartenwehr ist Symbol für Leipzigs Wassergeschichte 51.335250, 12.349534 Elsterwehr, Leipzig, Deutschland (Routenplaner)