Wenn die »Ostlichter« angehen, startet für mehrere Wochen ein Festival der Stadtteilkulturen. Seit 2002 gibt es jährlich Programm in den Quartieren östlich des Rings, zunächst unter dem Namen »Ostentdeckungen«. Dass es da was zu entdecken gäbe, mögen einige Leipziger bezweifeln, denn der Leipziger Osten an und für sich hat ein Imageproblem. Der Osten, das sind Ausländer und Arbeitslose, Armut und Kriminalität. Nachdem vor ein paar Jahren ein privater Fernsehsender die in Neustadt-Neuschönefeld gelegene Eisenbahnstraße zur »schlimmsten Straße Deutschlands« erklärt hatte, wurde die Andersartigkeit dieser Ecke noch einmal im Bewusstsein verankert.

Vielleicht geht man aber doch mal hin, zum Beispiel ins Pögehaus. Am Neustädter Markt, also unweit besagter Eisenbahnstraße, ist in einem ehemaligen Gründerzeithaus ein Ort entstanden, der weder von alteingessenen Arbeitern ohne Arbeit noch von Migranten betrieben wird. Bis 1994 beherbergte das Gebäude das namensgebende Unternehmen Pögedruck. Nach einigen Jahren der Sanierung konnten die Wohnungen im Haus bezogen werden. Nach außen wirkt das Haus vor allem kulturell, nämlich durch Ausstellungen, Konzerte, Lesungen oder Filmvorführungen und von hier aus wird das Kunstfest Neustadt organisiert.

Da hier Akademiker gemeinschaftlich ein Haus saniert haben, gab es auch den Vorwurf, dass sie sich an steigenden Mieten und Verdrängung der angestammten Bevölkerung mitschuldig machen – obwohl das Haus dem Immobilienmarkt entzogen ist. Bewertungen sind nicht immer einfach: Eröffnet in einem Ladengeschäft, das schon lange keinen Laden mehr gesehen hat, eine Kneipe mit »billig Pfeffi und Kirsch«, die vor allem von Studenten, Künstlern und solchen, die es werden wollen, besucht wird, hat das zwar nichts mit Kiezkultur zu tun, wird aber als »hip« gefeiert. Muss die Kneipe dann schließen, wird beklagt, dass Freiräume verschwinden, ohne zu fragen, wessen Freiräume das sind oder waren. Vor diesem Hintergrund entstand das Freiraumfestival als Auftakt zu den Ostlichtern, das ebensolche Nischen hervorhebt. Eine dauerhafte Nische ist das Pöge-Haus. Ein Besuch hier kann den Auftakt zur Erkundung des innenstadtnahen und doch fernen Ostens bilden.

Gut zu wissen

Pöge-Haus, Hedwigstraße 20, 04315 Leipzig, verein.pöge-haus.de. Aktuelle Termine zu Ausstellungen und Veranstaltungen auf der Webseite. Anreise: Haltestelle Einertstraße, Straßenbahn (Linien 1, 3, 8).

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Das Pögehaus im Wilden Osten 51.347502, 12.403564 Hedwigstraße 20, 04315 Leipzig, Germany (Routenplaner)