Wer mit dem Fahrrad von der Stadt aus an den Cospudener See fährt, benutzt für gewöhnlich die sogenannte Fahrradautobahn, also den gut ausgebauten Weg namens »Neue Linie« durch den Auenwald, der hinter dem Waldrand am Wolfswinkel auf Markkleeberger Gebiet endet und dann durch Wohngebiete führt. Das Gewimmel in beide Richtungen beginnt mit den ersten Frühlingsstrahlen und ist an Tagen mit auch nur annähernd Badewetter enorm.

Bei der Konzentration auf das Verkehrsgeschehen mitten im Landschaftsschutzgebiet geht schon mal unter, was es am Wegesrand so alles zu sehen gibt. An einem trüb-kalten Februartag ist ein Ausflug geplant, um das alles mal von einer anderen Seite zu betrachten: Die gesamte Strecke erweist sich als einsam, auch auf dem Rundweg um dem See tummeln sich weder Jogger noch Inlineskater noch Kampfradler. Und Spaziergänger schon mal gar nicht, sieht man von ein paar Hundehaltern ab.

Aber so weit sind wir noch gar nicht, denn kurz vor besagtem Waldesrand fällt ein Denkmal auf: Ein steinerner Wolf steht auf einem ebensolchen Sockel und letzterer verheißt per Inschrift: »Hier wurden im Jahre 1720 die letzten Wölfe gesichtet«. Aha, und das ist eine Skulptur wert? Ja: Zu dieser Zeit und bis ins späte 19. Jahrhundert hinein war man so erpicht darauf, die angeblich ganze Schafherden reißenden Raubtiere auszurotten, dass es allgemein üblich war, dies und letzte Sichtungen mit Denkmalen zu feiern. Vielleicht bildeten die Steine auch eine frühe Form des Wolfsmonitorings.

Irgendwer hat Ende 2012 die Off-Season genutzt, um den Wolf pink anzumalen, und zwar nur den Wolf. Die Farbwahl sorgt für Beachtung auch dann, wenn rundherum nicht alles grau in grau ist, und selbst der zielstrebigste Radler ist wohl schon mal im Wolfswinkel abgestiegen, um sich mit dem farbenfrohen, wenn auch langsam verblassenden Isegrim fürs Familienalbum verewigen zu lassen. Wer weiß, wie lange das Denkmal noch stehen darf. Immerhin hat das heutige Wolfsmonitoring per Kamera zu Tage gebracht, dass sich im Frühling 2015 ein Wolf in Markkleeberg herumgetrieben hat, im Raum Leipzig also der erste seit fast 300 Jahren.

Gut zu wissen

Wolfsdenkmal, Am Wolfswinkel, 04416 Markkleeberg. Der Wolf steht direkt an der »Neuen Linie« kurz vor dem Waldrand bei Markkleeberg. Radtour zum Denkmal: Von der Innenstadt, entlang der Pleiße und vorbei am Wildpark Leipzig (ca. 15 km hin und zurück).

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Der Wolf lebt im Wolfswinkel 51.292888, 12.359469 Am Wolfswinkel, Markkleeberg, Deutschland (Routenplaner)