Folgendes Szenario: Ich habe Besuch, die Planungen sehen ausgedehntes Schlendern durch die Innenstadt vor und dann das – es regnet. Aber deswegen muss man den Tag noch lange nicht als ins Wasser gefallen bezeichnen, denn auch in solchen Fällen hat Leipzig allerhand zu bieten: Zum Beispiel einen Besuch im Zeitgeschichtlichen Forum.

Das Museum in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes ist Teil des »Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland«, dessen weitere Standorte sich in Bonn und Berlin befinden. Die als Zeitgeschichte bezeichnete Epoche behandelt die Zeit von 1945 bis heute. Eröffnet im Jahre 1999 will das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig mittels Ausstellungen und Veranstaltungen zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg anregen.

Das Herz der Einrichtung bildet die Dauerausstellung, die unter dem Titel »Teilung und Einheit, Diktatur und Widerstand« insbesondere die Geschichte der DDR beleuchtet. Zentrale Ereignisse – zum Beispiel die Berliner Luftbrücke, Staatsgründung, der Aufstand von 1953 und Mauerbau bis hin zur Friedlichen Revolution 1989 – aber auch das alltägliche Leben im »real existierenden Sozialismus« werden anhand geschickt inszenierter Exponate veranschaulicht. So bekommen auch junge Menschen ein eindrückliches Bild von dem, was sie lediglich aus dem Geschichtsbuch oder den Erzählungen der (Groß-)Eltern kennen.

Auch medial hat man sich einiges einfallen lassen. Etwa werden in einem kleinen Kinoraum mit authentischem Gestühl Ausschnitte aus Filmen der Nachkriegszeit gezeigt, die sich mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen. Das Ausstellungsstück, das es mir persönlich angetan hat, ist der Originaltisch, an dem das Politbüro des SED-Zentralkomitees seine Entscheidungen fällte. Oh, wenn dieser Tisch doch reden könnte… Ebenfalls eine nette Idee: Am Eingang spuckt ein Automat ein Kärtchen mit dem Namen einer Person aus. Indem man die Karte an verschiedenen Stellen in der Ausstellung scannt, begleitet man die Person durch die Jahrzehnte und erfährt, wie die Person das jeweilige Ereignis erlebt hat. Abstrakt und weit entfernt scheinende Geschichte bekommt so ein konkretes Gesicht. Zusätzlich zur Dauerausstellung gibt es stets zwei Wechselausstellungen, die etwa einmal im Jahr ausgetauscht werden. Aber um die auch noch zu schaffen, muss es schon den ganzen Tag durchregnen.

Gut zu wissen

Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Grimmaische Straße 6, 04109 Leipzig, www.hdg.de, Tel. +49 (0)341 22200. Öffnungszeiten: Di. – Fr. 9 bis 18 Uhr. Sa., So., feiertags: 10 bis 18 Uhr (Eintritt frei). Achte auf Ankündigungen für Filmvorführungen und Vorträge. Anreise: Haltestelle Markt, S-Bahn (Linien S1 – S5).

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Nicht nur bei Regen einen Besuch wert – das Zeitgeschichtliche Forum 51.340000, 12.375700 Grimmaische Straße 6, Leipzig, Deutschland (Routenplaner)