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Nachts unterwegs in Brandenburg. Mit dem E-Car. Zwei Frauen und drei Hunde. Die besten Zutaten für den nächsten Tatort. Die Story: Besuch in der Prignitz, bevor sich der Nissan LEAF an der Steckdose unseres Gastgebers jedoch richtig satt gefressen hat, ziehen wir ihm den Rüssel ab. Ungeduld ist ein schlechter Ratgeber, vor allem wenn die Dämmerung langsam hereinbricht. Aber wir wollen zurück nach Berlin. Heute noch. Jetzt.

130 Kilometer stehen jetzt auf dem Display, das Navi zeigt 120 an bis zum nächsten bewohnten Gebiet, eines mit Schnellladesäule. Mit 75 Kilometern pro Stunde schleichen wir über die Autobahn. Wir werden trotz Energiesparmodus abgestraft: Teilweise beträgt die Differenz zwischen Strecke zum Ziel und verfügbaren Kilometern gerade mal Fünf. Und dann die 7,5-Tonner. Die schieben uns ihre Hüften gegen den Hintern. Die müssten nur mal auf die Tube drücken und wir wären platt wie die Flundern – fünf Leichen, drei davon mit Fell. Nachts in Brandenburg.

Wir ziehen die Reißleine und verlassen bei Herzsprung die Autobahn, teilen uns die Landstraße mit Füchsen und Waschbären. Heizen ist in der Situation nicht drin. Unseren Angstschweiß wischen wir mit unseren Schals von der Windschutzscheibe – sagen den Hunden, sie sollen aufhören zu hecheln. Die verkriechen sich in die Fußräume. Held sein geht anders. Dann schaltet sich die Kilometeranzeige ab. Nachts in Brandenburg. In der Ferne blinken die ersten Lichter von Neuruppin, unsere Anzeige blinkt mit.

Wie wir die Ladesäule im Industriegebiet erreicht haben, ist uns selbst schleierhaft, das Display will es uns ja nicht verraten. Erst die Analyse der Ladesäule zeigt, an welch dünnem Faden unser Leben hing – nachts in Brandenburg: Sieben Prozent.