Dieses Stück auf der östlichen Seite von Oder und Neiße lohnt sich. Aus meiner Sicht einer der schönsten Wegabschnitte auf der polnischen Seite. Es gibt nur in Teilen einen Radweg – keinen glatt geteerten wie auf der deutschen Seite, sondern übersät mit Schlaglöchern und hubbeligen Betonplatten. Die Landstraßen, die die Teilstücke miteinander verbinden sind wenig befahren. Dafür erhält man einen guten Einblick in Land und Leute.

Fast jeder kleine Ort hat einen »Sklep«, einen »Tante-Emma-Laden«. Hier bekommt man die Grundnahrungsmittel und Süßigkeiten. Also ganz anders als auf der deutschen Seite, wo diese dörfliche Versorgungsstruktur längst verschwunden ist. Hin und wieder sieht man einen Bauern mit seinem Pferdewagen auf dem Feld. Und rings herum eine wunderschöne Flusslandschaft, auf halben Wege das Storchendorf Kłopot (Kloppitz), dessen Hausdächer und Strommasten voll sind mit Storchennestern. Da man weniger schnell voran kommt, bietet sich eine Übernachtung in der Jugendherberge direkt im Storchenmuseum in Kłopot an. Dafür sollte man allerdings einen Schlafsack mit dabei haben. Es lohnt sich, in der »Storchenzeit« im Dorf zu übernachten und etwas mehr von diesen fernreisenden Vögeln mitzubekommen, als nur einen kurzen Blick in die Nester auf den Dächern.

Einziger Nachteil dieser Alternativstrecke: Es gibt keine Möglichkeit, die Neiße nach Eisenhüttenstadt zu überqueren. Die Brücke ist seit dem zweiten Weltkrieg zerbombt, der Radweg führt hinter Kłopot direkt an den Überresten vorbei. Man bekommt ein Gefühl dafür, dass zwischen einzelnen Ländern innerhalb einer Grenzregion doch noch längere Wege begangen werden müssen bis sie zu einer Region zusammen gewachsen sind. Eisenhüttenstadt, die »Sozialistische Planstadt«, muss man also bei dieser Route an sich vorbei ziehen lassen. Es sei denn, man wählt die Strecke über Krosno Odrzańskie (Crossen an der Oder) und steigt dort in das neue Passagierschiff »Zefir«, anstatt schon in Maszewo (Massow) über die Oder zu setzen.

Direkt hinter der Stadtbrücke in Gubin (Guben) links beginnt schon der Radweg. Ausschilderungen sind verwirrend und nicht durchgängig. Man muss sich also auf sein Smartphone oder die Kartenausschnitte verlassen — völlig ausreichend, es gibt zu wenig Wege, um sich zu verfahren. Kleine polnische Dörfer reihen sich aneinander. Dazwischen süß duftende Kiefernwälder. Bald hast du die ganze Landstraße für dich, über Łomy (Lahmo) und bis zur kostenfreien Fähre Richtung Maszewo über die Oder.

Gut zu wissen

Da die Museumsbetreiber in Kłopot ggf. wenig Englisch sprechen, ist eine Vorbuchung schwierig. Mit etwas Zeit und gesten­reichem Herumfragen im Dorf sollte man rechnen. Übernachtung ca. 7€. Fahrplan der »Zefir« unter: www.oder2014.de

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Alternativroute von Guben nach Frankfurt (Oder) auf der polnischen Seite 52.164640, 14.710135 Rybojedzko, Cybinka, Polen (Routenplaner)