Ich weiß nicht genau, was mich angetrieben hat, in Mescherin die Hauptstrecke des Oder-Neiße-Radwegs zu verlassen. Vielleicht war es der Blick nach links in das sanft-hügelige Hinterland. Dann zeigte ein Schild Richtung Geesow und die Karte sagte, dass es da auch wieder einen Weg hinaus gibt. Da bin ich einfach losgefahren, weg von der Oder. Zuerst kam so etwas wie Reue auf. Plötzlich liegen da flache Hügel mit riesigen Rapsfeldern. Bei Gegenwind muss man ganz schön in die Pedale treten, die Sonne brennt von oben. Und dann kommt auch noch ein Stück Kopfsteinpflasterstraße.

Im Salveytal ist es dann vorbei mit der Reue. Ein malerisches Tal, ein Fluss prägt die Landschaft und mitten drin steht die 3. Salvey-Mühle. Eine von ursprünglich vier Mühlen, die am Bach lagen. Schon seit Mitte des 13. Jahrhunderts steht sie hier, zumindest ist ihre Existenz urkundlich erwähnt. Die Form der Mühle hat sich im Laufe der Jahre sicher verändert, sind doch diverse Kriege über sie hinweggefegt. Über 70 Jahre lang, von 1648 bis 1718, war die Mühle sogar schwedisch. 1954 wird die 3. Salvey-Mühle enteignet und vom Volkseigenen Betrieb »VEB Neues Leben Geesow« übernommen. Sie ist bis kurz nach der politischen Wende in Betrieb: Da hatte man ihr aber schon längst das Wasser abgegraben und auf Strom umgestellt.

Heute ist »Salvey Mühle 3« ein lebendiges Technikdenkmal. Im Mühlenhaus gibt es ein kleines Museum. Die Tür steht offen, lädt ein zum Erkunden der etwas düsteren staubig-trockenen Räume. Was aber noch neugieriger macht, ist der Garten hinter der Mühle. Groß und licht ist er und hat gleichzeitig gestaltete Ecken mit Liebe zum Detail. Holzstühle laden zum Sitzen ein. Hier möchte man spontan bleiben, die Abgeschiedenheit einatmen und den verlangsamten Rhythmus wirken lassen.

Und das ist auch möglich: In der Mühle gibt es Zimmer und Ferienwohnungen, also optimal für eine Nacht etwas abseits vom Hauptstrom des Radwegs in wirklich ansprechender Atmosphäre. Auch wenn die Alternativroute etwas anstrengender ist, sie bietet Abwechslung in dem eher eintönigen Auf und Ab der Felder zwischen Mescherin und Penkun. Der Weg zurück auf den Oder-Neiße-Radweg führt weiter durch das Salveytal auf einer löchrigen Sandstraße nach Tantow, vorbei an dem ehemaligen MITROPA-Gebäude und am Bahnübergang links über die Schienen wieder auf den Hauptradweg.

Gut zu wissen

Übernachtungsmöglichkeiten: Ferienhof Salvey Mühle, Salvey Mühle 3, 16307 Gartz (OT Geesow), www.salveymuehle.de, Tel. +49 (0)33333 30335. Anreise ohne Fahrrad: Bahnhof Tantow (Regionalbahn), Fußweg 2,5 km.

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Alternativroute zwischen Mescherin und Tantow durch das Salveytal 53.251750, 14.362036 Salveymühle, Gartz (Oder), Deutschland (Routenplaner)