Schon ab Mescherin im Nationalpark Unteres Odertal hat man die Oder buchstäblich aus den Augen verloren: Der Oder-Neiße-Radweg führt weg vom Fluss und hinein nach Mecklenburg-Vorpommern. Das Stettiner Haff liegt wie ein Keil in der Grenzregion zwischen Deutschland und Polen. Zwei Radwege führen an die Ostsee, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Was auf der deutschen Seite wie verlassene Räume in abgelegenen Grenzregionen anmutet, ist auf der polnischen Seite angefüllt mit Geschäftigkeit und Regionen, die zum Teil dabei sind, sich selbst neu zu erfinden.

Die westliche Route schlängelt sich in Deutschland gut ausgebaut und beschildert durch weite Wald- und Feldgebiete, Naturparke, das beschauliche Städtchen Ueckermünde, die Stadt Anklam und schließlich über die Insel Usedom hin zu den Kaiserbädern Ahlbeck und Heringsdorf. Entspanntes Radfahren mit reichhaltigem Übernachtungsangebot.

Ganz anders die östliche Route. Mitten durch die Stadt Szczecin (Stettin) mit ihren 400.000 Einwohnern, der Altstadt und den riesen Hafenanlagen über holprige (aber gut befahrbare) Landstraßen entlang des Haffs zum polnischen Urlaubsparadies Międzyzdroje (Misdroy) auf der Insel Wolin (Wollin). Weiter auf, je nach Wetterlage etwas sumpfigen, Waldwegen über die Insel zum Fährhafen und den ehemaligen Befestigungsanlagen an der Ostsee in Świnoujście (Swinemünde) und dann hinüber auf die Insel Usedom zurück über die Grenze zu den Kaiserbädern.

Kurz gesagt: Hier kannst du wählen zwischen meditativem Radfahren auf der deutschen Seite einerseits und abwechslungsreicher Landerkundung mit interkulturellen Überraschungen in zwei bis drei Tagesetappen andererseits. Beides hat seinen Reiz.

Zwei Dinge zur Beachtung für die Ostroute: Übernachtungsmöglichkeiten sind hier sparsamer gestreut als auf der deutschen Seite. Geeignete Orte dafür sind Stepnica (Stepenitz) und Wolin (Wollin) auf der Insel Wolin, suchen muss man teilweise trotzdem. Die Strecke zwischen dem Inselstädtchen Wolin und dem deutschen Heringsdorf beträgt zwar nur 50 Kilometer auf dem Europäischen Fernradwanderweg R 10, man sollte dafür wegen teilweise schlechten Wegeverhältnissen aber einen guten, teilweise anstrengenden Tag einplanen. Und wenn man mal nicht mehr weiter weißt: In Polen habe ich immer eine wunderbare Gastfreundschaft erlebt.

Gut zu wissen

Abzweigung hinter Lebehn über Schwennenz und Stobno. Alternativ mit dem Zug in 20 Minuten von Löcknitz nach Szczecin (Stettin) fahren. Übernachtung in Wolin: Appartements unter den Nussbäumen, 72-510 Wolin, Świerczewskiego 5B. E-Mail: drozd.iwona@interia.pl. Mobil: (+48) 604 607 597. Die Besitzerin spricht kein Deutsch und kaum Englisch.

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Polen erleben - östlich um das Stettiner Haff 53.651455, 14.625721 Stepnica, Polen (Routenplaner)