Eisenhüttenstadt hat mich, ganz ehrlich, nicht besonders beeindruckt. Das mag vor allem daran liegen, dass ich in der DDR aufgewachsen und mit der Architektur der Zeit vertraut bin. Doch heute ist die geplante Vorzeigestadt der DDR ja viel mehr als nur ein Ort für Architekturliebhaber. Tom Hanks Besuch in »Iron Hut City« hat der Stadt viel Aufmerksamkeit gebracht, die ihr gut tut.

So kommen Menschen von weit her in die prominente sozialistische Planstadt, um einer Frage nachzugehen: »Wie war es wirklich, das Leben in der DDR? Kann das größte zusammenhängende Flächendenkmal Deutschlands noch davon erzählen? Die Mosaiken an den Häuserwänden, die Wandmalereien, Statuen und Plastiken überall in der Stadt?«

Obwohl wir lieber auf eigene Faust unterwegs sind, haben wir uns vom Tourismusverein Eisenhüttenstadt zu einer geführten Stadtwanderung überreden lassen. Unsere Stadtführerin, eine junge Frau aus Eisenhüttenstadt, spazierte mit uns durch die berühmten Wohnkomplexe, zeigte uns dort die Zentren städtischen Lebens, wies uns hin auf die architektonische Gestaltungsvielfalt und redete mit soviel Leidenschaft von »ihrer« Stadt, dass ich schließlich auf einer Bank in einem Innenhof dieser Wohnkomplexe einfach sitzen blieb. Zu viel wurden mir die Informationen, zu enthusiastisch die Worte, zu groß die Lobpreisungen auf das Leben in Eisenhüttenstadt.

Dort auf dieser Bank war plötzlich Ruhe. Die Vögel zwitscherten, die Blätter in den Bäumen rauschten und mit leiser Stimme erzählte sie weiter von ihrer Familie, der Kindheit hier und ihren Erinnerungen daran. Ich beobachte ein Stückchen weiter eine Gruppe Frauen, die auch dort saßen, redeten, lachten und ihre Kinder im Auge behielten, die vor ihnen im Sand spielten und konnte wieder zuhören. Und plötzlich konnte ich ihn mir vorstellen, den Alltag hier, in der DDR, nachbarschaftlich schien er mir, geordnet wohl, gemütlich irgendwie. Beeindruckt hat mich das dann doch, der Blick auf eine zwiespältige Stadt und die Auseinandersetzung mit den eigenen gemischten Gefühlen dabei.

Gut zu wissen

Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Erich-Weinert-­Allee 3, 15890 Eisenhüttenstadt, www.alltagskultur-ddr.de. Stadtführungen werden vom Tourismusverein Oder-Region Eisenhüttenstadt e.V. angeboten. Mehr Informationen: www.tor-eisenhuettenstadt.de. Anreise: Bahnhof Eisenhüttenstadt (Regionalbahn).

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Auf einer Bank in Eisenhüttenstadt 52.142460, 14.631200 Erich-Weinert-Allee 3, Eisenhüttenstadt, Deutschland (Routenplaner)