Der Tagbau kündigt sich schon vor Zittau an. Er ist ein prägendes Element auf dem Streckenabschnitt zwischen Zittau und Görlitz und während der ganzen Fahrt durch die Lausitz. Seen in ehemaligen Tagebaugruben, stählerne Maschinenreste entlang des Weges, aufbereitet als Denkmal. Und vor allem: Fehlende Vegetation an den teilweise noch in Flutung begriffenen riesigen Wasserflächen.

Bei der Fahrt durch das Neißetal hinter Görlitz vergisst man diese mehr als prägenden Eingriffe in die Natur. Ab Ostritz wird es damit aber wieder Ernst. Zwei Kilometer nach Leuba, in Hagenwerder, dem ersten Ortsteil von Görlitz, taucht linkerhand ein riesiges Ungetüm aus Stahl im Blickfeld auf. Direkt am Berzdorfer See steht ein riesiger Schaufelradbagger mit dem kryptischen Namen »SchRs 1200-1452«, 75 Meter lang und 33 Meter hoch. Ein Relikt aus den aktiven Zeiten das Tagebaus Berzdorf. 1997 erfolgte hier die Stilllegung.

Mein erstes Erlebnis am Berzdorfer See glich eine Überlebens­tour in der Wüste. Zu Fuß im Sommer bei über 30 Grad. Kein schattenspendender Baum an der frisch aufgeschütteten Uferböschung. Und mit den knappen 1,5 Litern Wasser wären wir durch keine Expeditionsinspektion für unsere vierköpfige Gruppe gekommen. Kurz: Wir waren nahe vor dem Verdursten, Sonnenstich inklusive.

Trotzdem oder gerade deswegen lohnt es sich, den Oder-Neiße-Radweg für eine kurze Zeit zu verlassen und entlang des Ostufers des Berzdorfer Sees parallel zum Radweg zu fahren. Vor dem Schaufelradbagger links vorbei zum Ufer des Berzdorfer Sees. Dort führt ein gut befahrbarer Schotterweg direkt entlang des Sees und wechselt am nördlichen Ende unter einer Brücke unter den Eisenbahnschienen und über die Landstraße auf den offiziellen Radweg zurück. Direkt am Seeufer liegen die Häuserruinen von »Deutsch Ossig«. Hier sieht man, wie die stählernen Ungetüme der Bagger in der Landschaft der Lausitz wüteten, ihnen ganze Dörfer zum Opfer gefallen sind. Angenagte Häuser, teilweise nur noch halb vorhanden, ganze Fronten fehlen. In der Oberlausitz sind durch den aktiven Tagebau weitere Orte angezählt, trotz des teilweise jahrelangen Widerstands der (meist sorbischen) Bevölkerung. Weiter nördlich am Oder-Neiße-Radweg, in Forst, befindet sich das »Archiv verschwundener Orte«. In diesem Museum ist die Geschichte rund um den Widerstand gegen den Tagebau in der Region anschaulich aufbereitet: Mit interaktiven »Infosaugern« kann man sich Informationen zu verschwundenen Orten aus dem Teppich »saugen«.

Gut zu wissen

Von Mai bis Oktober kann »Bagger 1452« auch besichtigt werden. Die Webseite www.bagger1452.de und die ständigen Ausstellung im Bahnhofsgebäude Hagenwerder informieren ebenfalls über das Industriedenkmal. Weitere Informationen zum »Archiv verschwundener Orte« in Forst: www.archiv-verschwundene-orte.de

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Angezählt und abgenagt – die Spuren des Tagebaus 51.067569, 14.957976 Bagger 1452, Berzdorfer Straße, Görlitz, Deutschland (Routenplaner)