So viele Störche auf einem Haufen habe ich noch nicht gesehen. Auf nahezu jedem zweiten Dach im Dorf befindet sich ein Storchennest, die Hälfte davon ist bewohnt. Manchmal sind die Störche auch auf die Strommasten ausgewichen. Im Garten des Museums mitten im Dorf befindet sich ein großer Beobachtungsturm. Er ermöglicht einen Blick direkt in die Nester. Ich sehe Jungtiere, die erste Flugübungen machen. Elterntiere, die direkt über meinen Kopf zurück zu den Nestern segeln und von ihren Partnern mit lautem Klappern empfangen werden.

Ich habe den Hinweis zum Storchendorf von einer Freundin erhalten, das Dorf war mir bisher unbekannt und auch Informationen zur Alternativstrecke, dem »grünen Oderradweg« auf der polnischen Seite habe ich vergeblich gesucht. Edyta, die Museum und Herberge betreibt, erzählt von den Störchen, sie hat den genauen »Flugplan« im Kopf. Die Eltern kommen im März oder April aus dem Süden. Ende April kommen dann die Küken aus den Eiern, vier Wochen später ist eine gute Zeit, die jungen Störche zum ersten Mal zu beobachten. Man sieht die Köpfe in den Nestern und die Eltern sind voll auf beschäftigt mit der Futterbeschaffung.

Auch Mitte Juli lohnt es sich nach den Störchen zu sehen. Die Jungtiere werden flügge, machen Flugübungen vom Rande des Nestes aus und unternehmen die ersten Ausflüge. Zwischen dem 16. und 18. August sammeln sich die Jungtiere und fliegen gemeinsam in den Süden. Eine Woche später, zwischen dem 23. und dem 25. August packen dann die älteren Störche ihre Koffer. Im Dorf brüten normalerweise 20 bis 25 Paare, diese bringen aus rund 70 Eiern zwischen 25 und 35 Jungtiere durch.

Direkt im Gebäude des Storchenmuseums mitten im Dorf befindet sich auch eine Jugendherberge. Ein eigener Schlafsack ist jedoch erforderlich. Es gibt eine Küche zur Nutzung, im Gebäude befinden sich außerdem das Büro des Nationalparks und die Dorfkirche. Wenn das Museum geschlossen ist, einfach hinten im Hof an die Tür klopfen – oder ein Weilchen warten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass jemand kommt. Um die Ecke gibt es außerdem einen kleinen Laden, einen »Skelp«, wie fast in jedem Dorf hier in Polen. Einkaufen ist also auch auf entlegenen Strecken kein Problem, ein paar Złoty sollte man allerdings dabei haben.

Gut zu wissen

Zwischen Mai und Mitte August ist die beste Zeit, um Kłopot und seine Störche zu besuchen. Die Übernachtung in der einfachen und sauberen Jugendherberge kostet ungefähr 25 Złoty (ca. sechs Euro). Im Haus befindet sich auch das Storchenmuseum und die Kirche.

Karte wird geladen - bitte warten...

Kłopot, das Storchendorf 52.132757, 14.704287 Kłopot, Polen (Routenplaner)