Irgendetwas mit der guten alten Eisenbahn muss es zu tun gehabt haben. Das Haus mit den großen Lettern MITROPA in Tantow steht direkt an den Bahngleisen. Ach ja, die MITteleuROPäische Schlaf- und Speisewagen Aktiengesellschaft: Im Jahr 1916 von deutschen, österreichischen und ungarischen Eisenbahngesellschaften gegründet, erhielt sie schon ein Jahr später das Monopol.

Nach dem Krieg wurde die MITROPA geteilt. Der Name blieb im Osten, das Logo wurde aufgerüscht, so dass es nicht mehr an den deutschen Reichsadler erinnerte. Eine der wenigen Aktiengesellschaften, die die DDR überdauerten. Und das vor allem wegen einer Besonderheit: Die MITROPA war zu 100% durch das Eigentum des Kaisers entstanden und damit rechtlich geschützt. In meinen Ohren klingt es allerdings etwas seltsam, dass neu entstehende Staaten ausgerechnet vor so etwas Halt machen. Zumal der neue Staat ein ureigenes Misstrauen gegenüber der Aristokratie mitbrachte.

Die MITROPA bewirtschaftete, wie der Name schon sagt, die Schlaf- und Speisewagen der Deutschen Reichsbahn. Sie betrieb außerdem die Bahnhöfe, vermietete aber auch »Siesta-Kissen« und sponsorte Fußball-Pokale. Nach der Wiedervereinigung machte der damalige Bahnchef Mehdorn Kleinholz aus dem Unternehmen. Die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nun seit 2006 unter neuem Namen »Select Service Partners« unterwegs. MITROPA hört sich in meinem Kopf immer noch nach klapperndem Geschirr an, das vom Zug durch »die Zone« gefahren wird. Die massigen Buchstaben auf den Tellern zittern leicht.

Gut zu wissen

16307 Tantow. Anreise: Bahnhof Tantow (Regionalbahn). Mit dem Fahrrad: Kurz vor dem Bahnübergang in Tantow links abbiegen, ca. 200 Meter entlang der Straße an den Bahngleisen. Nimmt man die Alternativstrecke durch das Salveytal, kommt man kurz vor der Hauptstrecke des Oder-Neiße-Radwegs an dem alten Haus vorbei.

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MITROPA - was war das nochmal ? 53.270755, 14.350222 Bahnhof, Tantow, Deutschland (Routenplaner)

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