Brigitta Wend

Brigitta Wend

Brigitta Wend, ist in Leipzig als drittes Kind einer Pfarrersfamilie geboren und hat in Dresden Landschaftsarchitektur studiert. Mit ihrer Familie lebt sie in Halle – eine Stadt, die ihr wegen ihrer Lage an der Saale, ihren vielen Kneipen, kulturellen Angeboten und Freunden ans Herz gewachsen ist. Einen Ausgleich zur beruflichen Anforderung findet Brigitta bei Gartenarbeit, Chorgesang und Ausflügen in die nähere Umgebung. Seit 2009 ist sie als Landschaftsarchitektin für das deutsch-polnische Gartennetzwerk »Gartenkulturpfad beiderseits der Neiße« tätig.

Brigitta, du kennst dich bestens aus in den Parks an beiden Ufern der Neiße. Warum sind diese Parks aus deiner Sicht so besonders?

Man sieht es ihnen nicht auf den ersten Blick an, aber sie sind tatsächlich ein Spiegel der reichen Geschichte der Region Oberlausitz-Niederschlesien. Wenn man sich damit befasst, bekommt man einen Einblick in die Wechselbeziehungen zwischen den hier lebenden Völkern. Das kann den Blick auf europäische Geschichte schärfen. Außerdem finde ich das enorme gestalterische Spektrum der Parkanlagen bemerkenswert. Durch wiederholte Besuche kann man miterleben, wie dieses allmählich wieder freigelegt wird – das ist tatsächlich eine Reise wert.

Was bedeutet aus deiner Sicht die Nähe zu Polen für die Region zwischen Görlitz und Bad Muskau?

Die Region »beiderseits der Neiße« ist ein über Jahrhunderte gewachsener Kulturraum, der schon immer unter verschiedenen »Herrschaften« stand. Das macht ihn vielschichtig und interessant. Für viele Deutsche ist es aber heute noch immer »ein Abenteuer«, über die Grenze zu gehen: Die Sprache ist fremd, die Verkehrszeichen sind originell anders, manche Lebensgewohnheit irritiert … und dann gibt es noch so viele Vorurteile! Aber das alles muss nicht verunsichern und ängstigen. Die heutige Grenze trennt zum Glück nicht mehr, sondern ermuntert zu einer Entdeckung »der anderen Seite« – Neugier und Unvoreingenommenheit vorausgesetzt. So kommt es dann zu begeisternden Überraschungen, die gern weiter erzählt werden – und von dieser »Entdeckerfreude« profitiert auch die Region zwischen Görlitz und Bad Muskau.

Wie erlebst du persönlich »die Grenze«?

Da mischen sich verschiedene Eindrücke. Zunächst erlebe ich sie optisch als eine durchaus sichtbare Zäsur: Andere Farbwelten und eine größerer Betriebsamkeit in den Straßen und Städten. Dann wirkt die Landschaft wilder, denn sie ist von viel mehr Sukzessionflächen (stark verbuschte oder mit Bäumen bestandene Brachflächen), geprägt. Und ich sehe viele ungenutzte Höfe und Gebäude neben Neubauten oder sanierten Altbauten – ein Land im Aufbruch. Spannend und lebendig. Durch meine Arbeit für das grenzüberschreitende Gartennetzwerk konnte ich Menschen kennenlernen, die sich der Gratwanderung zwischen Wirtschaftsboom und Erhalt landschaftlicher Schönheit sehr stark bewusst sind und mit Energie und Liebe für eine ausgewogene Entwicklung einsetzen. Ihre Arbeit finde ich bewundernswert und sie ermutigen mich, ebenfalls einen »langen Atem« für die Parkanlagen in dieser Kulturregion zu haben.

Es ist mal wieder Hochwasser, also ein (bekannter) Ausnahmezustand für die Region. Welchen Ort würdest du mit dem Rad trotzdem besuchen wollen?

Wahrscheinlich tatsächlich Bad Muskau – denn hier ist selbst Hochwasser ein ästhetisches Erlebnis.

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