Nancy Waldmann

Nancy Waldmann

Die freie Journalistin hat Kulturwissenschaften in Frankfurt (Oder) studiert und ist Absolventin der Zeitenspiegel-Reportageschule in Reutlingen. Jetzt wohnt sie in Berlin und schreibt meist zu Mittel- und Osteuropa-Themen. Sie erstellt jede Woche einen Teil der Transodra-Presseschau, die interessierte Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen über das Geschehen in den polnischen Nachbarregionen jenseits von Oder und Neiße informiert.

Du kennst dich besonders in der »Grenzregion Polen – Deutschland« aus. Wie kam es dazu?

In Frankfurt (Oder) habe ich studiert und in Słubice vier Jahre gewohnt. In der Zeit habe ich die Gegend erkundet. Zum Teil für mich selbst, zum Teil im Rahmen von Seminaren an der Uni.

Warum »Grenzregion« und nicht »Grenze«?

Weil die Grenze für mich nicht der Rand, sondern die Mitte der Region ist. Man ist immer ein bisschen Ausländer, wenn man sich auf beiden Seiten bewegt.

Was macht diese Region für dich besonders?

Die Grenze ist jetzt leicht zu überschreiten, aber die Entstehung 1945 war ein Gewaltakt. Das wirkt nach, die wenigen Brücken, die schlechten Zugverbindungen. Wenn man sich im deutschen Grenzgebiet bewegt, könnte man fast vergessen, dass auf der anderen Seite noch etwas ist – es verweist wenig nach drüben. Auch wenn man auf dem Radweg gefahren ist. Es gibt viel grenzübergreifende Zusammenarbeit und trotzdem ist die Region geteilt. Ich habe dort einiges über Europa gelernt.

Welches persönliche Erlebnis fällt dir spontan ein, wenn du an die »Grenzregion Polen – Deutschland« denkst?

Ich bin 2004 zum ersten Mal nach Frankfurt gefahren. Mit einem Freund haben wir spät abends auf der Flussaue am Słubicer Ufer unser Zelt aufgeschlagen und uns schlafen gelegt. Bald kamen Grenzpolizisten und verscheuchten uns. Das sei Naturschutzgebiet, sagten sie. Wir sind dann in Słubice in einer Absteige untergekommen, etwas zwischen Fernfahrerunterkunft und Stundenhotel – damals ein sehr typischer Ort für die Grenzregion.

Dein Lieblingsort in der Region?

Die Buhnen, die in die Oder hineinragen. Wenn man da so mitten im Fluss sitzt, fühlt man sich wie ein Flößer.

Perspektivenwechsel – die Oder vom Schiff aus

Das Schiff »Zefir« legt zwischen April und Oktober tageweise an verschiedenen Häfen zwischen Krosno Odrzańskie (Crossen an der Oder) und Kostrzyn (Küstrin) an. Vom jeweiligen Hafen kann man Rundfahrten machen oder aber ein Stück des Oder-Neiße-Radwegs von einem Hafen zum nächsten »umschiffen«. Insgesamt werden ca. 100 Kilometer der Oder befahren.

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