Wie macht man aus einer Vorstadt am Fluss eine eigenständige Stadt? Das war lange die Frage in Słubice. 2015 feiert die Stadt ihren 70. Geburtstag als polnische Stadt, wobei sie als Frankfurts Vorposten und später als »Dammvorstadt« am anderen Oderufer noch 700 Jahre älter ist.

Dass die Wege immer zur Brücke und zum Zentrum auf der anderen Seite führten, sieht man hier bis heute. Nicht weniger offenkundig sind die städtebaulichen Versuche, nach dem Krieg ein vom Fluss abgewandtes eigenes Zentrum zu schaffen. Der belebte Kreisverkehr am Brückenkopf und die Fußgängerzone mit den prächtigen Fassaden bilden noch eine Einheit, dann aber stößt man auf die laute zweispurige Durchgangsstraße, die den dahinter gelegenen Platz der Freundschaft (Plac Przyjaźni) vom Zentrum abschneidet.

Das neue Zentrum der Stadt sollte in der Nachkriegszeit der Platz der Helden (Plac Bohaterów) werden. Das Denkmal, 1949 eingeweiht, wurde inzwischen von der Mitte an die Seite des Platzes versetzt. Es zeigt einen sowjetischen und einen polnischen Soldaten, die Seite an Seite ihre Gewehrläufe Richtung Deutschland richten. Seit den 90er Jahren hat Słubice sein Gesicht deutlicher als Frankfurt wieder der Oder zugewandt. Der Oderdeich, einst verbotene Zone mit Stacheldrahtzaun, ist nun Flaniermeile für Biertrinker und Verliebte.

Gut zu wissen

In Słubice haben Lokalhistoriker einen zweisprachigen Lehrpfad angelegt, mit dem man sich auf die Spuren der alten Dammvorstadt sowie der Nachkriegszeit begeben kann, als die Stadt polnisch wurde — dazu gibt es allerdings lediglich eine polnische Facebook-Seite, die geplanten Infotafeln lassen noch auf sich warten. Polnisch, gut und günstig essen in Słubice: Bar und Mensa im Collegium Polonicum direkt am Kreisverkehr an der Oderbrücke.

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Słubice – Auf der Suche nach dem Zentrum 52.348868, 14.558859 1 Maja, Słubice, Polen (Routenplaner)