Von der Erdölraffinerie-Stadt Schwedt ist es nur eine gute halbe Stunde bis ins »Tal der Liebe« (Dolina Miłości) jenseits der Oder, drei Kilometer südlich von Krajnik Dolny (Niederkränig). Es bietet waldschattige Spazierwege über Schluchten und Fließe, 150 Jahre alte Bäume und weite Ausblicke auf das Untere Odertal. Aber es erzählt auch eine politische Geschichte der Ausflugskultur im frühen 20. Jahrhundert, die man sich von Ryszard Matecki erklären lassen kann. Mit seiner Frau betreibt er im angrenzenden Dorf Zatoń Dolna (Niedersaathen) das heimatkundliche Café »Wiejski kocur« – Aussprache »wjejski kotzur« (deutsch: Dorfkater) – und bietet auch Exkursionen ins Tal an. Der Name »Dorfkater« geht auf eine Ausflugsgaststätte zurück, die vor dem Zweiten Weltkrieg existierte.

Den Park ließ Anna Sophie von Humbert aus dem nahen Königsberg/Neumark, heute Chojna, um 1850 anlegen, um ihren Ehemann, dem dortigen Landrat, nach einer längeren Dienstreise »im Tal, das die Liebe schuf« zu empfangen. Das Herz der unmittelbar am Flussufer gelegenen Moränenlandschaft bilden zwei grüne Weiher mit Figuren der Götter Venus und Apollon. Vermutlich ist es dem Namen des Parks geschuldet, dass sie zumeist für Adam und Eva gehalten werden. In den 1920er Jahren entwickelte sich das Tal der Liebe zu einem populären Ausflugsziel. Seit den 1930er Jahren steht auf dem höchsten Aussichtspunkt (Wzgórze Pamięci) ein Steinaltar aus Felsbrocken mit der Inschrift der ersten Zeile der früheren Nationalhymne »Deutschland, Deutschland über alles«. Neben dem Steinaltar und auch anderswo im Park wurden Steine für bekannte Persönlichkeiten aufgestellt — der Zeit gemäß als Heldenpantheon zur nationalen Selbstbesinnung. Darunter Beethoven und Bismarck, Kant und Kriegsstrategen wie Schlieffen und Wilhelm II. — die Mischung wirkt illuster und willkürlich.

Eine zweisprachige Info-Tafel klärt kurz und sachlich über diesen Teil der Geschichte auf. Sie erwähnt nicht den Gedenkstein für Adolf Hitler. Als das »Tal der Liebe« in den 1950er Jahren bereits im abgesperrten polnischen Grenzgebiet lag und verwilderte, sollen Soldaten diesen Stein vergraben haben, nachdem sie die Inschrift geschliffen hatten. Die Parkaktivisten um Matecki fanden ihn vor ein paar Jahren bei Sanierungsarbeiten, wobei ein Streit über den Umgang mit diesen Hinterlassenschaften des Parks entbrannte.

Gut zu wissen

Café, Pension und Zentrum für regionale Bildung »Wiejski kocur«: Zatoń Dolna 12, 74-500 Chojna, Polen, www.facebook.com/wiejskikocur12. Im Sommer finden regelmäßig Konzerte und Lesungen statt. Man sollte sich gegen Mücken wappnen! Anreise mit dem Fahrrad: Grenzübergang Krajnik Dolny gleich rechts abbiegen, knapp drei Kilometer entlang der Oder fahren und dann an den großen Hinweistafeln orientieren.

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Tal der Liebe – ein romantischer Park und seine nationalistische Überformung 53.011863, 14.276634 Zatoń Dolna, Polen (Routenplaner)