Sie sind aus heutiger Sicht eine Zumutung – im positiven Sinne. Die Partituren für Gesang und Instrumentalbegleitung der sogenannten Adjuvanten zeugen von einem sehr hohen Niveau. Als Adjuvant wurden die Laienmusiker bezeichnet, die nach der Reformation in den evangelischen Kirchen die Gemeinde beim Gesang und mit instrumenteller Begleitung unterstützten. Im ländlichen Raum in Thüringen und Sachsen war diese Tradition besonders weit verbreitet. Auch heute noch treffen sich alljährlich Adjuvanten aus ganz Thüringen in wechselnden Städten zum gemeinsamen Singen und zum Austausch über den neuesten Stand in der Musik.

Für Martin Luther war die Musik neben der Theologie eine der wichtigsten Wissenschaften. »Wer singt betet doppelt«, damit brachte der leidenschaftliche Lautenspieler Luther die Musik in die Kirche und leistete einen unschätzbaren Wert für die Musikgeschichte. Im Archiv der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar wird dies ganz konkret sichtbar: dort lagern Schätze aus unzähligen Adjuvantenarchiven in Thüringen. Welche Bedeutung sie für den ländlichen Raum hatten und in unseren Musikveranstaltungen in unzähligen Dorfkirchen im Weimarer Land heute noch haben, zeigt sich an den überregional wenig bekannten Ortsnamen: da liegen Partituren aus Molsdorf und Großfahner, aus Haarhausen und Udestedt. Den größten Zeitraum decken die Noten aus Neustadt (Orla) ab. Die frühesten Unterlagen stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die Dorfmusiker standen denen in den Städten in keiner Weise nach – schon Luther verlangte, dass jeder singen und möglichst auch ein Instrument spielen können muss.

Die Hochschule Franz Liszt in Weimar pflegt und verwaltet die Bestände des Hochschularchivs und des Thüringischen Landesarchivs. Die Bestände stehen amtlichen, wissenschaftlichen, publizistischen und Bildungszwecken zur Verfügung. Auf der Webseite findet sich eine Übersicht über die Adjuvantenarchive mit teilweise digitalen Katalogen. Aber auch wenn man nicht zum Kreise der Nutzer zählt – es ist ein besonderes Gefühl, wenn man vor der Hochschule in Weimar steht mit dem Wissen, welche musikalischen Schätze der Reformation sich hinter den Mauern verbergen.

Gut zu wissen

Musikhochschule Franz Liszt, Hauptgebäude Fürstenhaus, Platz der Demokratie 2/3, 99423 Weimar, www.hfm-weimar.de. Öffnungszeiten Archiv: Di. und Do. 9 bis 17 Uhr, Mi. und Fr. 9 bis 13 Uhr. Archivstandort: Carl-Alexander-Platz 1, 99425 Weimar. Anreise Fürstenhaus: Haltestelle Platz der Demokratie, Bus, (Linie 5C).

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Wer singt betet doppelt – das Adjuvantenarchiv in Weimar 50.978453, 11.331513 Platz der Demokratie 2/3, 99423, Weimar, Deutschland (Routenplaner)