von Gastautorin Gerda Tetzlaff

Gerda Tetzlaff studiert Modedesign an der Kunsthochschule in Halle und ist oft auf dem Campus unterwegs:

Die Reformation hat verschiedene Umbrüche hervorgebracht. Manche haben sich in Landschaft und Architektur eingeschrieben, andere entdeckt erst, wer hinter die historische Kulisse blickt. Das Gelände des Klosters »Zum Neuen Werk« ist so ein Fall. Nachdem sein Leiter, der Propst Nicolaus Demuth, es mit Jahresproviant (wohl nach Wittenberg) verlassen hatte, ging es mit dem Kloster bergab. Der Mainzer Kurfürst Kardinal Albrecht von Magdeburg erreichte beim Papst 1530 die Genehmigung, das Kloster aufzulösen um den Erlös in eine Universität zu investieren. Dazu kam es nie. Albrecht floh 1541 aus Halle.

Die erhaltenen Wirtschaftsgebäude wurden lange als Speicher genutzt. Noch heute gehören sie zum Botanischen Garten. An der Stelle der Klostergebäude befindet sich heute der Campus Design der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Hier wird täglich an neuen Entwürfen und Zukunftsvisionen aus Holz, Metall, Stoff und Kunststoff gearbeitet, es gibt eine Druckerei, eine Weberei, eine Färberei und Nähwerkstätten. Nur noch die Straße trägt den Namen »Neuwerk«.

Betritt man das Gelände durch den Haupteingang, so steht man vor einer Villa, raffiniert gemischt aus spätgotischen und Jugendstilelementen. Objekte für den öffentlichen Raum haben sich dazugesellt: überdimensionierte Trinkhalme, regenbogenbunte Jalousien und ein Schild am Eingang: »THE DESIGN SCENE NOWADAYS IS A NIGHTMARE«. Wie die Auflösung des Klosters ein Kommentar zur Reformation, so ist die Kunst ein Kommentar zur Architektur, die auf das Kloster folgte.

Neben dem Hauptgebäude befindet sich die neue Bibliothek, die aussieht, als wäre sie aus riesigen Streichhölzern zusammen gesetzt. Sie wurde von Architekten aus Dresden und Leipzig geplant und bis November 2015 umgesetzt. In der Semesterzeit lohnt sich ein Besuch im studentisch betriebenen Café »Konsum«, das sich linker Hand befindet. Ich komme hier gerne für eine kreative Pause hin und beobachte das Ein und Aus.

Einen perfekten Ausgleich zum Treiben auf dem Campus bietet der Botanische Garten. Was Albrecht nicht gelang, führte der Hallesche Pietismus zu Ende. 1698 wurde die Universität und mit ihr einer der ersten Botanischen Gärten in Preußen eröffnet. Heute gehört er zum Institut für Biologie, steht aber allen offen, die an Pflanzen und am Schlendern interessiert sind.

Gut zu wissen

Campus Design und Studententreff Konsum, Neuwerk 7, 06108 Halle (Saale), www.burg-halle.de. Öffnungszeiten Café Konsum: Mo. – Fr. von 12 bis 21 Uhr während des Semesters. Anfahrt: Haltestelle Reileck, Straßenbahn (Linie 12), Haltestelle Diakoniewerk Halle, Straßenbahn (Linie 8)

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Kunst, Wissenschaft und Erholung auf alten Fundamenten 51.491072, 11.956904 Neuwerk 7, 06108 Halle (Saale) (Routenplaner)