Dr. Albrecht Schödl ist Mitglied der Kommunität der Jesus-Bruderschaft und Pfarrer im Christus-Pavillon am Kloster Volkenroda. Die Bewegung der Reformation im 16. Jahrhundert brach mit der klösterlichen Tradition. In neuerer Zeit gründeten sich klosterähnliche Gemeinschaften in der evangelischen Kirche, die Jesus-Bruderschaft ist eine von ihnen mit ökumenischer Ausrichtung.

Wie ist der Christus-Pavillon im Kloster Volkenroda entstanden?

Die Klosteranlage stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde von den Zisterziensern gegründet. Im Zuge der Bauernkriege um 1525 wurde sie zerstört und verfiel über die Jahrhunderte. Nur noch der Chorraum und die Seitenkapellen der Klosterkirche standen, Längsschiff und Kreuzgang gab es nicht mehr. Nach der politischen Wende 1989 entstanden Überlegungen, das Kloster mit modernen Mitteln und Materialien in die alten Steine hinein wieder aufzubauen. Das ehemalige Tochterkloster Loccum bei Hannover wurde um finanzielle Unterstützung gebeten. Damals stand die Weltausstellung EXPO 2000 vor der Tür und die Idee, das Exponat der Kirchen in Deutschland so zu konzipieren, dass es später nach Volkenroda umgezogen und dort genutzt werden sollte. Das zog immer größere Kreise. Die Evangelische Kirche Deutschland und die Stahlindustrie steuerten erhebliche Mittel zur Umsetzung des Entwurfs des Architekten Meinhard von Gerkan bei. Nun steht hier der Christus-Pavillon, ein ganz besonderes Gebäude.

Welche Werte verkörpert er?

Der Bau folgt unserem Architekturgrundsatz »Auf den Fundamenten von gestern, mit den Materialien von heute, für morgen bauen.« Das Gelände lebt von dem Spannungsbogen von Alt nach Neu , vom 12. bis ins 21. Jahrhundert und darüber hinaus. Deshalb ist uns auch die Jugendarbeit hier so wichtig. Das ist ein Stück Zukunft.

Was würde ein Bürger aus dem Jahr 1525 denken, wenn er heute das Kloster sehen würde?

Er wäre vermutlich geschockt, weil er die Klosteranlage mit der Mischung aus alten und neuen Materialien nicht wiedererkennen würde. Mich persönlich spricht besonders das Lichtspiel der Marmorscheiben im Pavillon an. Je nach Tageszeit und Wetterlage fällt es ganz unterschiedlich in den Raum.

Gut zu wissen

Christus-Pavillon Kloster Volkenroda, Amtshof 3, 99998 Volkenroda, www.kloster-volkenroda.de, Tel. +49 (0)36025 559 0. Führungen durch Kirche und Pavillon nach Voranmeldung. Anreise: Bahnhof Mühlhausen/Thüringen, weiter mit dem Bus (Linie 131) oder dem Ruftaxi (Tel. 0800 448800).

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Der weite Weg des Christus-Pavillon im Kloster Volkenroda 51.250860, 10.568719 Kloster Volkenroda, Amtshof 3, 99998 Körner (Routenplaner)