Bad Liebenwerda hatte für mich bisher den Geschmack von Wasser, in Flaschen abgefüllt aus den örtlichen Mineralquellen. Dann wurde mein Bild der Stadt im Süden Brandenburgs bereichert um ein weiteres Element – um Luft. Das geschah eher zufällig. Auf einer meiner Erkundungstouren stieg ich am Bahnhof aus und rollte gemütlich mit dem Rad Richtung Innenstadt. Wie gewohnt direkt gegenüber dem Bahnhof über die Schwarze Elster entlang am Walkmühlengraben. Linkerhand breitet sich das »Wäldchen« aus, wie der Kurpark zwischen Innenstadt und Schwarzer Elster von den Bürgern der Stadt genannt wird. Dieser wurde Bad Liebenwerda im März 1830 von König Friedrich Wilhelm III. unter der Bedingung »sorgfältiger Kultur« geschenkt.

Ein Hinweisschild zum Garten der Sinne lenkte mich vom Weg ab. In der Nähe des Barfußwegs dann eine seltsame Konstruktion: Drei aufrechte hölzerne Balken mit Hebeln versehen. Fast wäre ich daran vorbei gelaufen. Eher nebenbei bewegte ich einen der langen Stangen. Ein tiefer, höhlenartiger Ton erscholl. Erst jetzt bemerkte ich die langen Löcher am oberen Ende der Balken. Mit den Hebeln kann man die Luft in Bewegung setzen und durch die hölzernen Orgelpfeifen pressen. Das Besondere: Bis zu drei Personen können gemeinsam ein Lied auf den drei Pfeifen der Windpumpe spielen – als Hintergrundmusik dazu das leise Rauschen des Windes in den Parkbäumen.

Dass der kunstvolle Umgang mit Luft in Bad Liebenwerda Tradition hat, erfuhr ich erst später: Seit dem Jahr 1855 haben Orgelbauer ihren Sitz in der Stadt. Der erste, Christian Friedrich Raspe, hatte zuvor bereits als Auftragnehmer an der Orgel in der Stadtkirche St. Nikolai gearbeitet. Bis heute führt der Mitteldeutsche Orgelbau A. Voigt dies künstlerische Handwerk als einziger in Südbrandenburg fort. Die neue Orgel aus dem Jahr 1924 in St. Nikolai stammt von dem Unternehmen. Dafür wurde das ursprüngliche klassizistische Orgelgehäuse der Kirche beibehalten. Übrigens: Als Martin Luther im Jahr 1519 in der Stadt weilte, war das Gotteshaus gerade neu aufgebaut. Das vorherige war 1513 komplett eingestürzt. Eine Orgel gab es damals wohl noch nicht.

Während ich versuche, den drei Pfeifen der Windpumpe im Garten der Sinne ein paar Töne zu entlocken, stelle ich mir vor, wie die Orgel in St. Nikolai den großen Innenraum unter der bemalten Decke der Kirche mit klingender Luft erfüllt.

Gut zu wissen

Luther PassGarten der Sinne im Kurpark, 04924 Bad Liebenwerda. Mehr zu den Orgeln der Stadt: www.pipeorgans.net und Kirche St. Nikolai www.kirche-badliebenwerda.de. Öffnungszeiten: Der Garten der Sinne ist ganzjährig zugänglich, Besichtigung der Orgel in der Ev. Kirche St. Nikolai 10 – 17 Uhr. Anreise: Regionalbahnhof Bad Liebenwerda.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Luther Pass. Bad Liebenwerda ist einer von acht Luther Pass-Stempelorten.

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Aus Luft Töne machen – die Windpumpe in Bad Liebenwerda 51.516247, 13.401213 Kurpark, 04924 Bad Liebenwerda (Routenplaner)