von Gastautorin Claudia Wieltsch

Claudia Wieltsch ist Kunsthistorikerin und betreut das Konrad-Wachsmann-Haus in Niesky:

»Alles, was dann kam und in Berlin, New York, Tokio, Chicago, London, Moskau, Paris, Rom, Zürich oder Warschau geschah, das alles begann in Niesky, einem Dorf der Herrnhuter Brüdergemeine«, sagte Konrad Wachsmann (1901 bis 1980) über sein eigenes Wirken. Er konnte sich gut präsentieren – und hatte allen Grund dazu. Den Tischler aus Frankfurt an der Oder zog es weg vom Handwerklichen hin zu den Maschinen und in die weite Welt. Er studiert Architektur und wollte dann bei Le Corbusier in Paris eine Anstellung. Das klappte nicht. Er musste sich mit einem Praktikum begnügen und verkaufte nebenher Zeitschriften. Bis er von seinem ehemaligen Lehrer Hans Poelzig nach Niesky im Nordosten Sachsens eingeladen wurde.

Aus den ursprünglich geplanten vier Wochen »Urlaub und endlich mal Sattessen« wurden vier Jahre, in denen Konrad Wachsmann intensiv die Konstruktionsweisen im industriellen Holzfertigbau bei Christoph & Unmack in Niesky studierte. Sein besonderes Verdienst lag in der ästhetischen Gestaltung. Es ist ihm gelungen, dem traditionellen Baustoff Holz einen zeitgenössischen, modernen Charakter zu verleihen. In Niesky hat die Firma vier ganze Siedlungen in Fertigbauweise hinterlassen, die heute Besucher aus der ganzen Welt anziehen. Wachsmann entwarf zahlreiche Holzbauten, das bekannteste ist das Sommerhaus für Albert Einstein in Caputh. In Niesky ist das Direktorenwohnhaus das einzige Gebäude, das nachweislich von ihm stammt.

Bereits 1933 verließ Konrad Wachsmann Deutschland und ging nach Südfrankreich und Italien, von dort aus floh er 1941 mit Einstein und Gropius in die USA. In Niesky hatte er die Grundlagen des industriellen Holzbaus erlernt. In den USA entwickelte und patentierte er dann den »Wachsmann-Knoten«, der die schraubenfreie Verbindung von Holzelementen erlaubte. Mit Walter Gropius produzierte er in der gemeinsamen Firma »General Panel System« Holzfertighäuser für den amerikanischen Markt.

Und warum hatte das alles in Niesky seinen Ausgangspunkt? Wegen eines Großauftrags suchte die dänische Firma Christoph & Unmack einen Standort im damaligen Preußen. Den fand sie über einen Verwandten und Angehörigen der Herrnhuter Brüdergemeine in Niesky. So legte die weltweite Vernetzung der Gemeine die Grundlage für den »Wachsmann-Knoten« in Niesky.

Gut zu wissen

Konrad-Wachsmann-Haus, Goethestraße 2, 02906 Niesky, www.wachsmannhaus.niesky.de. Tel. +49 (0)3588 2239793, Öffnungszeiten: So. – Do. 10 bis 16 Uhr. Führungen jederzeit nach Voranmeldung. Empfehlenswert ist ein Spaziergang auf dem Holzhauspfad z. B. in die Siedlung Neuödernitz. Anreise: Regionalbahn nach Görlitz oder Horka, von dort mit dem Bus.

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Wie der Wachsmann-Knoten in die Welt kam 51.293960, 14.812900 Goethestraße 2, 02906 Niesky (Routenplaner)