von Gastautor Martin Kirzeder

Bücher, Lernen und Bildung begleiten Martin Kirzeder auch beruflich – er ist Lehrer an einem Gymnasium in Halle:

Die Werke des Reformators Martin Luther, in über 11 Bänden schon 1551/52 verlegt, bildeten den Grundstock. Gekauft mit Spendenmitteln vom damaligen Oberpfarrer Sebastian Boetius sollte dies der Anfang für eine beachtliche »liberey« werden, welche heute auf über 36 000 Bände angewachsen ist. Diese Bibliothek ist ein echtes Kind der Reformation und steht in direkter Beziehung zu Luthers Schrift von 1524 in der er zur Aufrichtung von Schulen und Sprachen aufrief, um den Menschen gute »librareyen odder bücher heuser« zu verschaffen. Neben den Bürgern beteiligte sich in zunehmenden Maß der Rat der Stadt Halle an der Vermehrung der Bestände, Gelehrte – wie der berühmte Professor für Medizin Friedrich Hoffmann – schenkten ihre Sammlungen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts verwaltet die Bibliothek jedoch nunmehr nur noch die Schätze.

Der ursprüngliche Raum für die Bibliothek lag zwischen den Hausmannstürmen in der Sakristei der Marienkirche, von 1612 an gab es für 300 Jahre ein Gebäude am Markt in dessen Fenster eine Puppe mit der Totenmaske Luthers zu sehen war und seit 1889 wird das neue Bibliotheksgebäude, dessen Vorbild die Universitätsbibliothek war, benutzt.

Hat man heutzutage die unscheinbare Treppe bis zur ersten Etage erklommen und wird dem Besucher nach dem Klingeln die vergitterte Tür geöffnet, dann eröffnet sich ein Reich nicht nur der bibliophilen Kostbarkeiten: Handschriften des »Sachsenspiegels«, Drucke, die vor 1500 datiert sind, eine kolorierte Ausgabe der Schedelschen Weltchronik, ein beeindruckendes Werk deutscher Buchdruckkunst aus dem Spätmittelalter und –natürlich – eine erste Druckausgabe der Lutherbibel von 1534 mit Luthers eigenen handschriftlichen Notizen. Wem dies nicht reicht, der kann sich Melanchthons zinnenen Krug oder ledernen Schuh zeigen lassen. Wie letzterer allerdings in die Sammlung kam, bleibt wohl ein Rätsel.

Der Gang durch die Marienbibliothek, welcher gerne freundlich und fachkundig von den ehrenamtlichen Helfern oder der Leiterin betreut wird, öffnete mir dagegen die Augen für die Bildungsrevolution durch die Reformation.

Gut zu wissen

Marienbibliothek, An der Marienkirche, 06108 Halle (Saale), www.marienbibliothek-halle.de, Tel. +49 (0)345 5170893, Mail: info@marienbibliothek-halle.de. Öffnungszeiten: Mo. und Do. 14 bis 17 Uhr. Durchgang zur Marktkirchengemeinde nutzen. Besichtigungen nur im Rahmen von Führungen: Mai bis Oktober zwei Mal monatlich montags und nach Vereinbarung. Anreise: Haltestelle Marktplatz, Straßenbahn (Linien 1,2,3,5,7,8,10,16).

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Ein hallescher Bildungsschatz der Reformation – die Marienbibliothek 51.482479, 11.968872 An der Marienkirche, 06108 Halle (Saale) (Routenplaner)