von Gastautorin Katharina von Bora

»Katharina, bitte erzähl mir, was dir im Kopf herum geht! Ich sehe, dass du noch zögerst. Ich will, dass du dir sicher bist. Nimm dir Zeit. Ich kann warten.« Er schaut mich voll Sorge und Zärtlichkeit an, in seinen Augen ein Verlangen, das ich bisher noch nie gesehen hatte, aber ich stecke fest in meinen Zweifeln und Ängsten.

»Ich habe mich gefragt, ob du mir rein aus praktischen Gründen den Heiratsantrag gemacht hast. Du brauchst jemanden, der dir den Haushalt führt, deine Gäste bewirtet, jemanden, der die Bücher führt und nach den Tieren schaut. Ich könnte das alles machen. Ich will aber nicht nur deine Haushälterin sein. Ich will einen richtigen Ehemann, einen Vater für meine Kinder und einen liebevollen Gefährten.« Er legt seine großen Hände auf den Tisch vor ihm und steht auf. Ein Sonnenstrahl scheint schräg durch das Fenster, Staub wirbelt darin. Er nimmt meine Hände in die Seinen und deutet mir an aufzustehen. Wir stehen uns gegenüber, halten uns an den Händen.

»Katharina. Keine Haushälterin. Eine Ehefrau. Ich will eine Ehefrau, die bei mir liegt, mit der ich zusammen lachen und essen kann, die, so Gott will, eine Mutter für meine Kinder ist. Ich sage nicht, dass ich verliebt bin. Aber ich denke, wir können in unsere Liebe hineinwachsen. Ich bewundere dich sehr. Du hast Mut und manchmal eine scharfe Zunge. So wie ich. Du weißt wer du bist. Du kennst deinen Gott. Ich mag es, wie du mit beiden Füßen auf dem Boden stehst. Das wirst du brauchen, wenn du mit mir zusammen lebst. Natürlich brauche ich eine fähige Haushälterin. Vor allem aber, Katharina, will ich dich, weil du so bist wie du bist und ich denke, dass wir zusammen leben und arbeiten können.

Deshalb, meine liebe Käthe, vergiss die Sünde und die gebrochenen Gelübde, vergiss die Arbeit als Haushälterin. Dieser Professor und Priester sucht eine liebende Ehefrau. Und er will, mehr als alles andere, dass du diese Frau bist, Katharina von Bora. Wenn du Ja sagst, dann wirst du diesen alten Abtrünnigen zum glücklichsten Mann in Wittenberg machen.

»Dann sage ich Ja, Herr Doktor. Ja, ich will dich heiraten und deine Ehefrau sein.«

Anm. der Redaktion: Luther nannte Katharina von Bora in seinen Briefen an sie immer wieder »Mein Herr Käthe« und nahm damit augenzwinkernd Bezug auf ihre Bestimmtheit und Geschäftstüchtigkeit.

Gut zu wissen

Auszug aus dem Buch von Anne Boileau mit dem Titel »Katharina Luther: Nun, Rebel, Wife«, Clink Street Publishing, London, erscheint am 4. Oktober 2016 in englischer Sprache.

Schwarzes Kloster, Lutherhaus, Collegienstrasse 54, 06886 Lutherstadt Wittenberg, www.lutherstadt-wittenberg.de. Täglich geöffnet, Nov. bis März Montag Ruhetag. Das Wohnhaus beherbergt das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt. Anreise: Bahnhof Lutherstadt Wittenberg, von dort weiter zu Fuß in die Altstadt.

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Mein Herr Käthe im Schwarzen Kloster 51.864530, 12.652530 Collegienstraße 54, 06886 Lutherstadt Wittenberg (Routenplaner)