Als ich im Mai 2014 nach Leipzig in die Karl-Heine-Straße zog, bauten ein paar Studenten unten am Kanal ein Floß für die Sommermonate. Auch oben, über dem Kanal wurde gebaut: Nachdem die über hundertjährige Philippuskirche im Leipziger Westen mehr als zehn Jahre leer stand, belebt sie sich seit 2012 wieder. Der neue Träger, das Berufsbildungswerk Leipzig und sein Projektleiter Wolfgang Menz, möchten vieles angehen und verändern.

Inzwischen sind die Tore wieder geöffnet – für alle und jeden, Christen und Nicht-Christen, obwohl die Kirche sich klar zu ihren diakonischen Idealen bekennt. Die Veranstaltungen sind so bunt wie das Publikum: Es gibt Konzerte, Tagungen und Andachten mit dem Namen »Licht an«. Im Oktober fand ein Teil der Jazztage hier statt, immer dienstags kommen die Nachbarn und bringen Suppe mit. Die Baustelle fungierte auch schon als Ort der Mediation. Insgesamt gilt: Wer mitwirken möchte, kann mitwirken.

Lindenau zählt aus meiner Sicht zu einem der aufregendsten Viertel der Stadt, mit der Kunstveranstaltung LINDENOW oder der ökologisch-sozialen Eigeninitiative Annalinde. Hier ist vieles im Umbruch und Aufbruch und deshalb passt die Kirche genau in diese Gegend. Überhaupt: Kirche. Die Webseite führt bewusst keine Kirche im Namen und lautet schlicht: »philippus-leipzig«. Die Betreiber bewegen sich damit in den Fußspuren der Gründer, die bereits beim Bau der Kirche einiges anders machten und den Vorplatz zur Straße hin ausrichteten. Damit ist die Kirche nach Norden und nicht wie traditionell nach Osten ausgerichtet.

Ein Jahr nach meinem Umzug ist die Philippus Leipzig – solange es die anstehenden Bauarbeiten zulassen – eine Annahme-Stelle für Spenden an Flüchtlinge geworden. Dafür – und für alle anderen Projekte der Kirche – arbeiten hier regelmäßig sehr viele Ehrenamtliche. In den nächsten zwei Jahren ist geplant, das ehemalige Pfarrhaus zum Integrationsort mit Hotel und Restaurant umzubauen, der von Menschen mit und ohne Behinderung in einem Team betrieben wird. So versucht sich die Philippuskirche als Ort des Spagats: Zwischen notwendiger Professionalisierung und der Orientierung an den eigenen Glaubensgrundsätzen, die sich am besten bei einem Besuch vor Ort erfahren lassen.

Gut zu wissen

Projekt Philippus (Philippuskirche), Aurelienstraße 54, 04177 Leipzig, www.philippus-leipzig.de, Tel. +49 (0)341 4206690. Veranstaltungstermine (auch tagsüber) auf der Webseite, oder einfach vorbeischauen! Anreise: Haltestelle Karl-Heine-Straße / Merseburger Straße, Straßenbahn (Linie 14).

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Raum für Veränderung – die Philippuskirche Leipzig 51.331936, 12.329374 Aurelienstraße 54, 04177 Leipzig (Routenplaner)