Birgit Würdemann ist Projektleiterin der Stadtraum-Ausstellungen »Prediger und Bürger – Reformation im städtischen Alltag«

Was ist die Idee hinter »Prediger und Bürger«?
Die Reformation war kein paukenschlagartiges Ereignis, sondern eine Bewegung die vor allem von Predigern und Bürgern in den Städten aufgegriffen und angestoßen wurde. Aufgrund der Nähe zu Wittenberg sprachen sich die Lutherischen Thesen in den Städten des heutigen Land Brandenburgs wie ein Lauffeuer herum. Dort traf man sich auf den Märkten, in den Gaststuben oder Häusern, um die neuen Glaubensideen zu diskutieren und auszuprobieren. Aber auch die Landesherren der vielen Kleinstaaten des 16. Jahrhunderts hatten ein gehöriges Wörtchen mitzureden, wenn es darum ging, so grundlegend Neues einzuführen. Was damals in den Städten passierte, lässt sich heute noch an vielen alten Gebäuden in unseren historischen Stadtkernen ablesen. Diese Geschichten möchten wir erzählen.

Wie setzen Sie diese Idee im Stadtbild um?
Zunächst wurden authentische Orte gesucht, an denen die reformatorischen Veränderungen gezeigt werden können. Dazu gehören neben leergefallenen Klöstern und wunderbar ausgestalteten Kirchen auch die jahrhundertealten Rathäuser, Pfarrhäuser oder Schulen. Startpunkt für die Stadtraum-Ausstellungen zu verschiedenen Punkten der Stadt ist ein »Reformationstor« mit einer allgemeinen Einführung auf den Marktplätzen der beteiligten Städte.

Haben Sie persönliche Empfehlungen für den Besucher?
Ich gehe am liebsten mit dem Fahrrad auf Zeitreise. Wenn weithin sichtbare Landmarken wie Kirchtürme und Klosterbauten in der weiten Landschaft auftauchen kann man sich gut vorstellen, welch tiefe Eindrücke diese vor hunderten von Jahren bei Pilgern und Reisenden hinterlassen haben müssen.

Was bedeutet der Reformationsgedanke heute für Sie?
Die Reformationsbewegung wurde entscheidend von Bürgern der Städte mitgetragen. Viele Errungenschaften von damals wie in den Bereichen Bildung, Fürsorge und Bürgerrechte sind uns heute viel zu selbstverständlich. Für ein gemeinschaftliches Miteinander sind wir heute mehr denn je in der Pflicht, diese zu wahren und zu leben.

Gut zu wissen

»Prediger und Bürger« ist ein Projekt des brandenburgischen Städteverbundes Reformation im städtischen Alltag, www.prediger-und-buerger.de. Beteiligte Städte: Bad Belzig, Bad Liebenswerda, Brück, Herzberg (Elster), Doberlug-Kirchhain, Jüterbog, Luckau, Mühlberg/Elbe, Treuenbrietzen, Uebigau-Wahrenbrück

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Die Reformation im städtischen Alltag Südbrandenburgs 51.691767, 13.235065 Kirchstraße, Herzberg (Elster), Deutschland (Routenplaner)