von Gastautor Johannes Möller

Johannes Möller ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde St. Martin in Heiligenstadt und liebt den Klang in der Kirche:

Obwohl ich fast jeden Tag daran vorbei gehe, bin ich immer von neuem begeistert von den feinen Details, welche die Steinmetze im Mittelalter in die Kapitelle der Säulen eingearbeitet haben oder von der in Stein gehauenen betenden Nonne. Die Mutterkirche des Eichsfelds, wie St. Martin in Heiligenstadt auch genannt wird, heißt so, weil von ihrem Vorgängerbau aus das Eichsfeld im 9. Jahrhundert christlich geworden ist. Aus dieser Zeit stammen die ersten Steine der Kirche. Das war ein vorromanischer Bau. Im Jahr 1485 wurde die Kirche dann als gotische Hallenbasilika mit ihrer großartigen Innengestaltung fertig gestellt. So ist die Kirche heute auf ihrem Hügel über der Stadt zu sehen. Weil sie seitdem sämtliche Stadtbrände unbeschadet überstanden hat, ist sie auch heute noch die älteste Kirche in Heiligenstadt.

Heiligenstadt kam 1525 das erste Mal ernsthaft mit der Reformation in Berührung. Bauernheere plünderten die Kirche St. Martin, nachdem Thomas Müntzer in der Liebfrauenkirche gegen die Abgaben, die Obrigkeit und den Priesterstand anstatt für die Nächstenliebe gepredigt hatte. Das war erst mal ein Schock für das relativ reiche Heiligenstadt. Es gab in der Stadt jedoch offene Ohren für die Lehren Martin Luthers und so wurde Heiligenstadt für die folgenden 30 Jahre evangelisch. Das war aber nur eine kurze Episode. Das Eichsfeld lag dem Kurfürstentum Mainz weiterhin sehr am Herzen. Es schickte Jesuiten, die eine Bildungsoffensive starteten. Dadurch wurde das Eichsfeld wieder katholisch. Das ist bis heute die vorherrschende Konfession hier.

Dass St. Martin die einzige evangelische Kirche in der Stadt ist, ist einem späteren »Handel« geschuldet. Als das Eichsfeld 1803 unter preußische Herrschaft kam, erbat sich Preußen eine Kirche für die 23 protestantischen Beamten in der Stadt. Die Kirche St. Martin gehörte damals zum Kloster und hatte keine eigene Gemeinde. Außerdem war die Kirche ziemlich baufällig. So übergab man sie zum 01. Januar 1804 der evangelischen Kirche und die Gemeinde musste erst mal renovieren. Heute sagen die Heiligenstädter von St. Martin, sie habe den schönsten Klang. Deshalb finden in dem hohen Kirchenraum häufig Konzerte statt.

Gut zu wissen

St. Martin, Knickhagen 15, 37308 Heilbad Heiligenstadt, www.st-martin-heiligenstadt.de, Tel. +49 (0)3606 612323. Öffnungszeiten: Die Kirche ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen für Gruppen nach Absprache mit dem Pfarramt. Anreise: Mit der Regionalbahn bis Heilbad Heiligenstadt, 15 Min. Fußweg vom Bahnhof in die Innenstadt.

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Der schönste Klangraum in der Stadt – die Kirche St. Martin in Heiligenstadt 51.377594, 10.131495 Knickhagen 15, 37308 Heilbad Heiligenstadt (Routenplaner)