von Gastautor Eckart Warner

Eckart Warner ist Pfarrer und Ansprechpartner für die Franckeschen Stiftungen und alle Einrichtungen auf dem 40 Hektar großen Gelände mitten im Zentrum von Halle:

Gruppen aus unterschiedlichsten Erdteilen schlendern zwischen den Gebäuden. Viele davon sind unterwegs auf den Spuren Luthers oder der Reformation – und stoßen dabei auf ihre eigenen: Indische Christen auf tamilische Schriftzeichen, Besucher aus den USA auf den Gründungsvater der Lutherischen Kirche Nordamerikas, Heinrich Melchior Mühlenberg (1711 – 1787). In Südindien gründeten zwei Schüler August Herrmann Franckes 1706 die erste protestantische Missionsstation. In Pennsylvania baute Mühlenberg, Theologe und Lehrer aus den Franckeschen Stiftungen, das Gemeindewesen der ersten Siedler an der Ostküste Nordamerikas auf.

Die persönliche Frömmigkeit hatte für den pietistisch geprägten August Hermann Francke (1663 – 1727) eine zentrale Bedeutung. Bildung war ein wichtiger Weg dorthin. Wofür Luther eintrat – Lesen und Schreiben lernen, um selbst die Bibel zu studieren – baute Francke ab 1695 weiter aus: Die Menschen dazu befähigen, sich dem Reich Gottes auf Erden schon zu nähern. Im Blick hatte er alle Kinder, ob arm oder reich. Darüber hinaus entwickelte Francke bis heute gültige Eckpunkte in der Pädagogik: Die Konzentration auf das einzelne Kind und Ganzheitlichkeit.

Ein Ort, an dem man diesen Bildungsansatz ganz konkret erfahren kann, ist der Pflanzgarten. Dort pflegen Kindergärten und Schulen ihre eigenen Beete und nehmen an fachübergreifenden Projekten teil. Der Garten ist offen für interessierte Besucher.

Und die Mensa des Studentenwerkes ist der Ort, an dem man die Menschen trifft, die diesen von Francke geschaffenen Bildungskosmos jeden Tag so lebendig ausfüllen: Sehr oft hört man dort unterschiedlichste Sprachen und sieht Menschen aus verschiedensten Kulturen. Die Räume sind dieselben, in denen vor 300 Jahren die Kinder gegessen haben. An den Wänden hängen noch die alten Verhaltensregeln und über dem Ausgang zum Lindenhof findet sich die ehemalige Treppe zum Gebetssaal. Zeugnisse pietistischer Erziehung zur persönlichen Frömmigkeit.

Verändert haben sich die Stiftungen sehr in den drei Jahrhunderten, die Ideen Franckes aber werden bis heute in vielen Bildungsbereichen aufgegriffen.

Gut zu wissen

Franckesche Stiftungen zu Halle, Informationszentrum, Franckeplatz 1, Haus 28, 06110 Halle (Saale), www.francke-halle.de. Öffnungszeiten: Di. – So. und feiertags 10 bis 17 Uhr. Der Pflanzgarten befindet sich hinter Haus 40, die Mensa im historischen Speisesaal im Haus 27. Anreise: Haltestelle Franckeplatz, Straßenbahn (Linien 1,3,4,7,8,9).

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Bildung für alle in den Franckeschen Stiftungen 51.478080, 11.970946 Franckeplatz 1, 06110, Halle (Saale), Deutschland (Routenplaner)