von Gastautorin Larissa Wieczorek

Larissa Wieczorek kennt Magdeburg von Besuchen schon seit ihrer Kindheit. Später hat sie hier gelebt und gearbeitet:

Magdeburg bringt einen gewissen Trotz mit. Es hat allen Grund dazu, musste sich die Stadt doch im Lauf der Geschichte immer wieder gegen äußere und innere Bedrohungen zur Wehr setzen und Widerstand leisten. Als sich 1524 die Mehrheit des Stadtrates den Reformatoren aus Wittenberg zuneigte und die Stadt evangelisch wurde, folgte 23 Jahre später die Reichsacht des Kaisers. Magdeburg blieb trotzig dem Protestantismus treu. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt in großen Teilen zerstört und knapp dreihundert Jahre später, im Zweiten Weltkrieg, gleich noch einmal. Die Stadt aber wurde jedes Mal wieder neu aufgebaut. Diese Widerstandsfähigkeit gegen die Geschehnisse konnte man in beeindruckender Weise auch 2013 beim Elbehochwasser erleben. Damals stand der Stadt und den Menschen das Wasser buchstäblich bis zum Hals. Die Magdeburger aber bewiesen einmal mehr ihren emsigen Widerstandswillen: Mit Spaten »bewaffnet« und Sandsäcke befüllend kämpften die Magdeburger gegen die drohenden Überschwemmungen an.

Auch dem Zusammenbruch der Wirtschaft nach der Wende versucht die Stadt zu trotzen: Statt auf Schwerindustrie setzt man nun vermehrt auf Kultur und hat sich sogar darum beworben 2025 Kulturhauptstadt Europas zu werden. Ein Ort in der Stadt, der für mich dieses Gefühl des Widerstands verkörpert, ist die Festung Mark. Die alte Anlage der Preußen entstand 1864/65 als Kaserne der Festung Magdeburg. Heute ist die Festung ein Kulturzentrum. Gemauerte Gewölbe, deren Zwischenböden teils herausgenommen wurden, strahlen ein wenig den Charakter einer trutzigen Burgruine aus. Die Räume sind durchzogen von mächtigen Bögen aus Ziegelsteinen. Je nach Beleuchtung verändert sich die Stimmung in dem alten Gemäuer. Die Betreiber arbeiten eng mit der Universität Magdeburg zusammen, deren Campus direkt gegenüber liegt. Das zeigt sich im sowieso schon reichhaltigen Programm: Studentenparties wechseln sich ab mit Konzerten, Theater, Vorträgen und Kunsthandwerk-Märkten. Die Geschichte des Gebäudes und die besondere Stimmung zwischen seinen Mauern kann man übrigens auch bei den zahlreichen Führungen kennen lernen. Da gibt es die Taschenlampenführung mit Gruselfaktor, Festungs-Verführungen mit historisch-kulinarischem Abend oder eine ganz normale öffentliche Führung durch ein Stück Stadtgeschichte.

Gut zu wissen

Festung Mark, Hohepfortewall 1, 39104 Magdeburg, www.festungmark.com. Führungen sind auf der Webseite unter dem Programmpunkt »Spezial« aufgelistet. Anreise: Haltestelle Listemannstraße, Straßenbahn und Bus (Linien 2, 5, 73), Haltestelle Opernhaus (Linien 1, 8, 9, 10, 94 ).

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»Wir sind hier und wir bleiben hier« - Festung Mark in Magdeburg 52.137995, 11.646043 Hohepfortewall 1, 39104, Magdeburg, Deutschland (Routenplaner)