Von Gastautorin Andrea Knopik

Die Leiterin des Museums Kloster und Kaiserpfalz Memleben ist Kuratorin der Sonderausstellung 2018 WISSEN+MACHT:

Uralte Steinmauern und ertragreiche Weinberge – wie kamen diese eigentlich an die Flüsse Saale und Unstrut? Die europäische Kulturgeschichte der letzten eineinhalb Jahrtausende ist untrennbar mit der Ausbreitung der christlichen Orden verbunden. Die ersten Klöster an Saale und Unstrut wurden in der Zeit der ottonischen Herrscher im 10. Jahrhundert gegründet und wir alle profitieren – oft ohne es zu wissen – bis heute auf vielfältige Art und Weise davon.

Überall in unserer Kulturlandschaft ist das Erbe der Benediktiner sichtbar. Sakralbauten, aber auch Steinbrüche zeugen noch heute von ihrem Einfluss auf die Entwicklung von Handwerk und Architektur. Auch Weinbau und Streuobstwiesen gingen aus der klösterlichen Landwirtschaft hervor. Zudem waren die Klöster Orte der Bewahrung und Verbreitung von Wissen und Bildung. Die Mönche erlernten und lehrten die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben, widmeten sich dem Studium der Heilkunde, der Theologie, der Mathematik, Rhetorik, Kunst oder Musik – die Ursprünge der heutigen Natur- und Geisteswissenschaften.

Am Sterbeort zweier bedeutender sächsischer Herrscher gründete Kaiser Otto II. im frühen Mittelalter am Ufer der Unstrut ein Benediktinerkloster. Am Standort einer der wichtigsten Kaiserpfalzen – wie die Wohnstützpunkte der reisenden Herrscher genannt wurden – ging aus dem Kloster Memleben das geistige und politische Zentrum eines Mosaikes aus Klöstern an Saale und Unstrut. Das Kloster Memleben erlangte Weltruhm als Schicksalsort und Machtzentrum der deutschen Kaiser und Könige. Weltliche und kirchliche Macht waren im Europa des Mittelalters dabei mehr als nur eng miteinander verwoben: Für die gottesfürchtigen Menschen bildete sie eine Einheit, die Herrscher waren von Gottes Gnaden auserwählt.

Zwei der Klöster an Saale und Unstrut sind bis heute aktiv, in anderen leben die klösterlichen Ideen des Lernens, des kulturellen Austausches und der Fürsorge in unterschiedlichsten Ausprägungen fort.

Zum 25-jährigen Jubiläum der Straße der Romanik bildet Memleben mit der Ausstellung WISSEN+MACHT das Zentrum und den roten Faden der Feierlichkeiten. Das Netzwerk KLOSTER +WELT bündelt elf verschiedene Klosterorte und motiviert den Besucher, die heutige Klosterlandschaft tatsächlich zu erleben.

Gut zu wissen

Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben, Thomas-Müntzer-Str. 48, 06642 Kaiserpfalz / OT MemlebenSaale-Unstrut-Tourismus-e.V.-Transmedial,  www.kloster-memleben.de, Tel. +49 (0) 034672 60274, Öffnungszeiten: 15. März bis 31. Oktober, Mo. – So. 10 bis 18 Uhr; November bis 14. März: Mo. – So. 10 bis 16 Uhr (nur Außenanlage). Die Sonderausstellung »WISSEN+MACHT. Der heilige Benedikt und die Ottonen« läuft noch bis zum 15. Oktober. Anreise: Rad (Unstrut-Radwanderweg), Bus (Kupfer-Wein-Linie) mit Haltestelle direkt vor dem Kloster, Burgenlandbahn von Naumburg nach Nebra und weiter mit dem Bus.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Saale- Unstrut- Tourismus e.V.

 

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Von Gottes Gnaden – Memleben und die Klosterlandschaft an Saale und Unstrut 51.265900, 11.492200 Museum Kloster Memleben, Thomas-Müntzer-Str. 48, 06642 Kaiserpfalz (Routenplaner)