Als Martin Luther 1517 seine 95 Thesen schrieb, sandte er sie auch an Kardinal Albrecht von Brandenburg, den Erzbischof von Mainz. Zurecht vermutete er diesen hinter den Ablässen, die um Wittenberg herum verkauft wurden und ihm das Leben schwer machten. Albrecht hatte Schulden gemacht um an Ämter zu kommen – das Geld aus den Ablässen sollte Abhilfe schaffen. Offizieller Titel der Aktion: Neubau des Petersdoms in Rom. Ihren Anfang nahm die Umsetzung dieser monströsen kirchlichen Crowdfunding-Kampagne hier in der Moritzburg. Anfang 1517 übergab Albrecht in seiner Residenz dem Dominikaner Johann Tetzel das Privileg zur Eintreibung des Ablasses. Die Reformation gewann und vertrieb Albrecht 1541 aus der Moritzburg.

Szenenwechsel: Das Licht geht aus, das Publikum klatscht. Es ist ein warmer Sommerabend. Gerade geht ein Stück des Theater Apron zu Ende. Traditionell bespielt diese freie Theaterkompanie den Graben der Moritzburg mit ihrem Sommertheaterprogramm. Auch wenn gerade kein Stück gespielt wird, ist der Burggraben in der Sommerzeit immer wieder mit Menschen bevölkert und das ganze Jahr über feiern sie im »Turm«, einem Club mit Loungeatmosphäre, der in einem der Wehrtürme der Moritzburg untergebracht ist.

Mehr als hundert Jahre beherbergt die Moritzburg nun museale Räume, die immer auch die Burg veränderten. Für eine erste Kunstgewerbesammlung hatte man das historische Talamt, einst am unteren Markt gelegen und lange schon abgerissen, in den Ruinen der Burg rekonstruiert. Ein wirklich modernes Museum der Moderne ist die Moritzburg seit 2008 mit dem Umbau nach Plänen von Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano.

Die Vielfalt an Angeboten, mit denen die Moritzburg aufwartet, hat mich mein ganzes Studium über begleitet. Über der Brücke, die in den Innenhof der Moritzburg führt, werden regelmäßig neue Sonderausstellungen auf großen Plakaten beworben. Neben den Seh- sind dort auch Klangwelten zu erleben, wenn etwa wieder Studierende der Sprechwissenschaft die Innenräume des Museums mit einer szenischen Lesung bespielen oder wenn die Orgel aus der Magdalenenkapelle zu hören ist.

Immer wenn ich in die Moritzburg komme, lasse ich mich überraschen und freue mich auf die neue Gestalt, mit der sie mir begegnet – als Ort mit Geschichte und Zukunft. Vor oder nach dem Besuch lohnt sich ein Spaziergang über die Kleine Ulrichstraße, die Café- und Kneipenmeile der Studentenstadt.

Gut zu wissen

Moritzburg, Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle (Saale). www.stiftung-moritzburg.de, www.turm.club, www.apron.de, www.halle-selk.de. Öffnungszeiten Kunstmuseum: Do. – Di. und feiertags 10 bis 18 Uhr. Kapelle: Di. und Do. 14 bis 18 Uhr (Besichtigung), So. 16 Uhr (Orgelmusik). Anreise: Haltestelle Moritzburgring, Straßenbahn (Linien 3, 8, 10, 12).

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Früher belagert, heute bespielt – die Moritzburg in Halle 51.486487, 11.964066 Friedemann-Bach-Platz 5, Halle (Saale), Deutschland (Routenplaner)