Auf unserer Suche nach Spuren der Reformation in Naumburg haben wir diesen Hinweis von einem ehemaligen Naumburger erhalten:

Der Herr mit dem buschigen Schnauzer und dem kritisch-misstrauischen Blick schaut das Mädchen an – oder an ihr vorbei? Wahrscheinlich ist es ihm auch nicht wichtig, denn er hat einiges zu tun: zum Beispiel die Welt zu beobachten und sie zu kommentieren. Diese selbst gesetzte Aufgabe nimmt er sehr ernst. Friedrich Nietzsche sitzt gegossen in Bronze seit dem Jahr 2007 auf dem Holzmarkt in Naumburg. Ein Buch liegt vor ihm aufgeschlagen und er scheint über die Welt zu sinnieren.

Friedrich Nietzsche ist in Naumburg aufgewachsen. Seine Mutter ist nach dem Tod ihres Mannes mit den zwei Kindern 1850 hierher gezogen. Nietzsche tat sich in der Schule hervor mit seiner besonderen Begabung für Sprache, so dass er schließlich einen Platz im nahe gelegenen Internat Pforta erhielt. Sein Vater war evangelischer Pfarrer und überhaupt fanden sich in seiner Familie viele evangelische Theologen. Nach der Schule studierte er dann neben der Philologie auch Theologie, die er aber nach einem Jahr bereits wieder aufgab – sehr zum Verdruss der Mutter. Nach einigen produktiven Jahren als Professor und freischaffender Philosoph befiel ihn der »Wahnsinn«. 1889 umarmte Nietzsche in Turin ein Pferd und landete schließlich wieder in Naumburg. Seine Schwester machte ihn hier für diese Jahre zum lebendigen Ausstellungsstück.

Etwas entfernt vom Denkmal auf dem Holzmarkt befindet sich im Weingarten 18 das Haus seiner Kindheit. Dort ist heute ein Museum, in dem auch eine kleine Hausbibliothek zu finden ist. Hier kann man in aller Ruhe in Nietzsches Werken blättern, zum Beispiel in einem seiner letzten: »Der Antichrist«. Nietzsche kritisiert vor allem, dass das Christentum und seine Vertreter immer dann eingeschritten seien, wenn das Leben angefangen habe Spaß zu machen. In der Renaissance wäre endlich mal die Lebensfreude und nicht die Kirche, namentlich der Papst, auf dem Stuhl gesessen – bis Luther kam. Der wollte die »ursprüngliche Kirche« wieder herstellen und mischte mit dieser Idee die ganze damalige Welt auf. Und viele folgten. In jeder Kritik steckt ja auch immer ein mehr oder weniger großer Funken Wahrheit und nach dem Lesen beschäftigt uns die Frage: Ist Luther nun Schuld an der Reformation oder hat er sich um die Christenheit verdient gemacht?

Gut zu wissen

Nietzsche-Haus, Weingarten 18, 6618 Naumburg, www.mv-naumburg.de/nietzschehaus. Öffnungszeiten: Di. – Fr. 14 bis 17 Uhr, Sa., So. und feiertags 10 – 17 Uhr. Das Nietzsche-Denkmal befindet sich auf dem Holzmarkt. Anreise: Haltestelle Schwarzes Roß, Bus (Linien 102, 103).

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Schuld war die Reformation – das Nietzsche-Haus in Naumburg 51.150150, 11.812485 Weingarten 18, 06618, Naumburg (Saale), Deutschland (Routenplaner)