von den Gastautoren Anne Zschenderlein und Conrad Göbel

Zu allen Jahreszeiten lädt das Paulusviertel zum Spazieren und Verweilen inmitten der reich begrünten Gründerzeit- und Jugendstilbebauung ein. Begrenzt durch die zum Bergzoo führende Reilstraße und die belebte Ludwig-Wucherer-Straße, befindet sich das Paulusviertel sowohl in idyllischer Ruhe als auch in der Nähe des Stadtzentrums. Nach der Wende waren die Altbauwohnungen günstig und boten Freiräume für junge Kreative und Studierende. Heute braucht man schon etwas Glück, um hier eine Wohnung zu finden.

Im hügeligen Halle kann man von beinahe jeder erhöhten Position die zwischen 1900 und 1903 im Stil der norddeutschen Backsteingotik errichtete Pauluskirche erblicken – für manch einen der »Big Ben von Halle«. Als Halle wuchs, brauchte man ein Viertel samt Kirche für die Menschen und konnte beides zusammen planen. Die Kirche auf dem sogenannten Hasenberg bietet etwa 1.000 Menschen Platz. Ganzjährig werden verschiedene musikalische Werke durch den Pauluschor, das Paulusorchester und die Staatskapelle Halle aufgeführt. Einzigartig in Deutschland: Ein Kirchenmusiker leitet diese Gemeinde, die beiden Pfarrer sind sein »theologisches Personal«. Martin Luther meinte einmal: »Wer singt, betet doppelt«.

Einen Spaziergang kann man wunderbar am »Eisdealer« in der Ludwig-Wucherer-Straße 62 beginnen. Mit einem Eis in der Hand lässt es sich etwa auf dem Hasenberg bei Sonnenschein gut aushalten. Oft spendiert die Pauluskirche dazu die Hintergrundmusik. Gegenüber der Kirche ist ein großer Spielplatz, auf dem Kinder freie Bahn haben. Über die Maxim-Gorki-Straße geht es zum Thomas-Müntzer-Platz, für Historiker und Architekturfreunde ein besonderer Mix. Die Schleiermacherstraße führt dann links bis zur Willy-Lohmann-Straße. Das wuchtige Gebäude auf der linken Seite war erst Landwirtschaftskammer, dann Regierungssitz. Nun sollen dort, trotz heftiger Proteste von Anwohnern, Wohnungen entstehen.

Wenn wir durch das Paulusviertel spazieren, landen wir am Ende immer zum Kaffee oder auf ein kühles Bier im »Colonne Morris« in der Viktor-Scheffel-Straße 8, benannt nach dem französischen Pendant zur Litfaßsäule vor der Tür. Das Colonne, wie es unter Einheimischen oftmals genannt wird, ist eine kleine gemütliche Café-Bar und mit der Zeit auch unser zweites Wohnzimmer geworden.

Gut zu wissen

Pauluskirche, Rathenauplatz, 06114 Halle (Saale), www.paulusgemeinde-halle.de/pauluskirche/. Öffnungszeiten: Ostern bis Ende Oktober, Sa. Bis So. und an Feiertagen 15 bis 17 Uhr. Anreise: Haltestelle: Willy-Lohmann-Straße, Straßenbahn (Linie 12). Das Colonne Morris befindet sich in der Viktor-Scheffel-Straße 8, 06114 Halle (Saale).

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Das fabelhafte Paulusviertel – eine kleine Welt für sich 51.495679, 11.973875 Rathenauplatz, 06114, Halle (Saale), Deutschland (Routenplaner)